PANATHINAIA

    Alexia Michailidou · Band 1

    PANATHINAIA

    Chapitre 11 sur 11

    Chapitre 11

    Die Lose der neuen Herrschaft

    Vor dem Tor hatten die Titanen weiter Raum gelassen, nicht aus Ordnung.

    An den Füßen, an den Schultern, an den Blicken, die nicht bei einem Mann blieben, erkannte Zeus es. Einer stand vorn, zwei dahinter, drei seitlich versetzt; keiner nahm den anderen auf. Noch immer waren sie viele. Noch immer trugen sie Kraft. Aber keiner fiel in den Schritt des anderen.

    Hinter dem Erz sprach Kronos wieder, dumpf und ohne Wort. Das Metall nahm ihm die Schärfe. Vor dem Tor hob niemand den Kopf.

    Von der Naht abgewandt, rief Zeus: „Zurück von der Schwelle.“

    Seine Stimme ging über den offenen Raum. Diesmal gehorchten nicht nur die Seinen. Auch die Titanen wichen einen Schritt, manche zwei. Ein einzelner blieb stehen, breit, mit Blut am Hals und Staub im Bart. Er zeigte mit der offenen Hand auf das Tor.

    „Öffne.“

    Niemand trat neben ihn.

    Das erkannte Zeus und ließ die Pause stehen, lang genug, dass jeder den leeren Raum um den Mann sehen musste.

    „Hol ihn dir“, sagte Zeus.

    Der Titan stand mit sinkendem Arm da und blickte nach rechts, nach links. Keiner setzte an, hob eine Waffe oder ging auf die Schwelle.

    Hinter Zeus lachte niemand. Dafür war zu viel Blut auf dem Stein. Aber Poseidon schob einen Fuß vor, schwer und ungeduldig. Hades blieb still. Sein Blick ging nicht zu dem Titanen, sondern über das Tor und den Raum davor, maß Pfosten, Schwelle, freien Grund.

    Der Mann vor dem Erz nahm die Hand herunter und trat zurück in die Reihe, aus der er gekommen war. Die Reihe schloss sich nicht.

    Damit war es gesagt.

    Halb zu den Verbündeten gedreht, musterte Zeus die, die mit ihm geschlossen hatten: Poseidon, noch mit Erzstaub an den Armen; Hades, dicht und dunkel vor dem Pfosten; Briareos, ruhig, die Hände offen nach der Arbeit; Kottos an der Schwelle; Gyges ein wenig weiter rechts, den verletzten Arm vom Leib gehalten; am Handgelenk hing noch gebrochenes Eisen.

    An ihnen vorbei trat Zeus in den freien Teil des Vorraums. Dort lag eine flache Platte, aus dem Fels selbst gehauen. Auf ihr klebten Staub, dunkler Schmutz und ein Streifen Blut von einem fremden Schienbein. Zeus wischte die Fläche mit dem Unterarm frei, bis die Platte wieder hart und nackt vor ihnen lag.

    Als er die Hand darauf legte, sagte er: „Kronos ist hinter Erz und bleibt dort.“

    Niemand widersprach, und sofort stand das Wort zwischen den Brüdern.

    „Vor diesem Tor endet seine Herrschaft.“

    Jetzt richtete Poseidon den Blick ganz auf ihn.

    „Dann beginnt unsere“, erwiderte er.

    Hades antwortete nicht gleich. Er trat näher an den Stein. „Nicht deine allein.“

    Zeus nahm die Hand vom Stein. Er hatte damit gerechnet, noch ehe das Tor eingerastet war. Gerade deshalb ließ er keinen Atemzug ungenutzt, als Poseidon den Mund verzog.

    „Nicht meine allein“, entgegnete er. „Nicht deine. Nicht seine.“

    Poseidon trat an den Stein. „Wir haben geschlossen. Gemeinsam. Ich habe gedrückt wie du. Ich nehme nicht weniger.“

    „Und ich“, gab Hades zurück, „halte nicht den Pfosten, um am Ende leer zu stehen.“

    Auch das war Zeus klar, während die Titanen zuhörten. Hinter ihm schwiegen Briareos, Kottos und Gyges. Ihre bloße Anwesenheit hielt den Raum fest.

    Zeus beugte sich, griff in den Staub zu seinen Füßen und hob drei kleine Stücke auf, flach geschlagene Lose aus Bronze, eben erst aus einem zerbrochenen Beschlag gebrochen. Er hatte sie beim Rückzug vom Tor mit dem Absatz gelöst und aufgehoben, ohne den Blick von der Naht zu nehmen. Jetzt lagen sie in seiner Hand, gleich groß, scharfkantig, am Rand noch roh.

    Poseidon blickte auf die Bronze. Hades ebenso.

    „Kein neues Ringen vor dem alten Tor“, bestimmte Zeus.

    Er legte das erste Los auf die Platte. Das zweite daneben. Das dritte hielt er noch zwischen den Fingern.

    „Wir teilen, ehe das Feld wieder Stimmen bekommt.“

    Poseidon atmete hart aus. „Teilen was?“

    „Die Herrschaft.“

    Endlich regte sich etwas bei den Titanen; durch die Gesichter lief Bewegung. Sie verstanden, und an Zeus’ Hand blieb Hades’ Blick hängen. „Wie?“

    Aufgerichtet sagte Zeus: „Sichtbar. Vor Zeugen. Unwiderruflich.“

    Er hob das letzte Los.

    „Himmel. Meer. Unterwelt.“

    Bei dem letzten Wort glitt Hades’ Blick kurz zum geschlossenen Erz und von dort in die Tiefe des Raums, dorthin, wo der Fels nachgab und die Dunkelheit begann. Poseidons Brust hob sich, als er bis an die Platte herantrat.

    „Nenn zuerst“, sagte Poseidon.

    „Nein“, sagte Zeus.

    Das eine Wort fiel flach und fest.

    Poseidon spannte die Kiefer an. „Du willst werfen.“

    „Ja.“

    „Und wenn ich nicht nehme, was fällt?“

    Zeus sah ihn an. „Dann fängst du hier an, gegen mich zu kämpfen. Vor ihnen. Vor dem Tor unseres Vaters. Sag es laut, wenn du das willst.“

    Poseidon sagte nichts.

    Hades auch nicht. Doch jetzt stand er auf der anderen Seite der Platte, sodass keiner der drei Brüder mehr außerhalb dieses Kreises war.

    Zeus legte auch das dritte Los auf die Fläche.

    Für einen Augenblick hörte man nur Atem, das ferne Dröhnen im Fels und hinter dem Erz noch einmal Kronos, stumpf und ohne Macht.

    Zeus schob die drei Lose mit den Fingerspitzen zusammen, hob sie an und ließ sie über der Platte in seiner geschlossenen Hand ruhen.

    Briareos trat vor, so weit, dass Zeus ihn aus dem Augenwinkel sah. Kottos blieb an der Schwelle. Gyges stand still, das gebrochene Eisen am Handgelenk dunkel gegen die Haut.

    Zeus öffnete die Hand.

    Die Lose für Himmel, Meer und Unterwelt fielen auf den Stein der neuen Herrschaft.

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