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    PANATHINAIA

    Alexia Michailidou · Band 1

    PANATHINAIA

    Κεφάλαιο 11 από 14

    Κεφάλαιο 11

    Im Hain der Bewahrer

    Ein lautloses Luftholen reichte.

    Kronos wandte sich nicht länger an sie. Er wandte sich an den Hof.

    „Riegelt das Haus. Niemand verlässt den Othrys ohne mein Zeichen. Stellt Wachen vor ihre Gemächer. Die Alten werden geprüft. Jeder Gang unter diesem Haus wird geöffnet und durchsucht.“

    Jetzt kam Bewegung in die Reihen. Wachen traten vor, einer rief nach Fackeln, ein anderer nach Eisenhaken und Seilen. Keiner fragte, wonach sie suchen sollten. Niemand zwang ihn, es auszusprechen.

    Rhea stand noch, weil ihre Knie sie für einen Augenblick trugen. Dann nicht mehr. Bevor ihr Fall sichtbar wurde, war Gaia bei ihr. Doch sie fing sie nicht auf. Sie nahm ihr nur so viel Gewicht ab, dass sie nicht vor dem ganzen Hof auf die Steine schlug.

    Kronos’ Blick blieb an ihr haften. Er machte keinen Schritt.

    „Bringt sie hinauf“, befahl er. „Noch zwei Frauen zu ihr. Vor die Tür vier Männer.“

    Rhea hob den Kopf. Unter ihrer Haut war kein Blut mehr. Dunkel lag es an ihrem Gewand, dort, wo der Stoff an ihren Beinen klebte. Ihre Stimme war rau, aber sie trug, als zwei Dienerinnen zögernd mit gesenktem Blick näher kamen.

    „Du wirst nichts finden.“

    Ein Muskel zuckte an Kronos’ Kiefer. „Führt sie fort.“

    Gaia legte ihr den Arm um den Rücken. Gemeinsam brachten sie sie über den Hof. Hinter ihnen liefen inzwischen schon Schritte in andere Richtungen. Befehle gingen durch das Haus, während Holz gegen Stein schlug. Metall scharrte. Die Suche hatte begonnen.

    In ihrem Gemach roch es nach Eisen, nasser Wolle und altem Rauch. Dann fiel der Riegel von außen. Einer der Männer stellte sich unmittelbar hinter die Tür. Draußen stieß der Schaft seines Speers gegen das Holz.

    Die beiden Dienerinnen wussten nicht, wohin sie sehen sollten. Während eine Wasser brachte, holte die andere frische Tücher. Keine sprach Kronos’ Namen aus. Keine stellte eine Frage. Rhea nahm ihnen beides ab, mit einer Ruhe, die keinen Widerspruch duldete.

    „Lasst uns allein.“

    „Er hat—“, begann die Jüngere.

    Rhea sah die Dienerin an.

    Ohne ein weiteres Wort verstummte sie, verneigte sich und zog die andere mit sich zum hinteren Ende des Gemachs zurück. Dort blieben sie stehen, mit dem Rücken fast an der Wand, bereit zu gehorchen und bereit, nichts zu wissen.

    Rhea setzte sich nicht. Mit beiden Händen auf der Bettkante atmete sie flach. Jeder Atemzug ging sichtbar durch ihren Leib. Gaia kniete vor ihr, hob das blutige Gewand an und drückte das Tuch zwischen ihre Beine. Getroffen zuckte Rhea, biss die Zähne aufeinander und hielt still.

    „Wie viele?“, fragte sie.

    „Genug“, erwiderte Gaia.

    „Unter dem Haus?“

    „Er hat es befohlen.“

    Rhea nickte einmal. Es war keine Überraschung. Nur das Ende dessen, was noch übrig gewesen war.

    Draußen liefen Stiefel über den Gang. Weiter weg wurde etwas Schweres über Stein gezogen. Es folgten dumpfe Schläge. Sie hatten begonnen, Böden und Wandnischen zu prüfen.

    Rhea schloss die Augen. „Jetzt.“

    Gaia wechselte das Tuch. „Du verlierst Blut.“

    „Dann jetzt.“

    Gaia richtete sich auf. Für einen Moment blieb sie still. Dann ging sie zum Herd, schob den ausgekühlten Aschenkasten zur Seite und hob die flache Steinplatte darunter an. Kalte Luft stieg aus der Öffnung. Darunter lag nur Dunkelheit.

    Die ältere Dienerin sah es und stieß einen Laut aus, kaum mehr als einen Stoß aus der Kehle. Gaia hob die Hand, nicht drohend, nur endgültig.

    „Ihr habt nichts gesehen.“

    Die Jüngere begann lautlos zu weinen, mit offenem Mund. Rhea drehte den Kopf zu ihnen.

    „Wenn sie euch fragen“, sagte sie, „antwortet, ich habe geblutet und geschlafen. Sagt es schlecht, wenn ihr lügen müsst. Aber sagt nicht mehr.“

    Die Ältere nickte sofort. Nach einem Augenblick tat die Jüngere es ihr gleich, als Gaia zurückkam.

    „Kannst du stehen?“

    Rhea stand bereits.

    Sie gingen ohne Fackel hinab. Gaia zuerst, dann Rhea, langsam, eine Hand an der Wand, die andere am Rand der Öffnung, bis ihre Füße den ersten Tritt fanden. Unter ihnen war der Schacht eng und kalt. Die Luft stand schwer darin. Erde löste sich unter ihren Fingern. Über ihnen lag das Haus mit seiner Suche.

    Als Gaia die Platte zurückzog, wurde das Restlicht zu einem schmalen Schnitt und verschwand. Nur ihre Atemzüge blieben.

    Rhea stieg weiter. Schmerz ging durch ihren Leib, stumpf und tief. Einmal blieb sie stehen und presste die Stirn gegen den Bodenbalken über ihr. Gaia schwieg und wartete. Dann zwang Rhea ihre Füße wieder tiefer.

    Über ihnen dröhnten Schläge, erst fern, dann näher, schließlich wieder fern. Stimmen riefen dumpf durch Holz und Erdreich. An einer Stelle blieb Gaia stehen, legte die Hand gegen die Wand und lauschte. Von rechts kam ein Kratzen, Metall gegen Stein. Wachen oder Männer mit Werkzeug. Sie führte Rhea nach links, tiefer in den alten Gang.

    Der Weg zog sich. Ihr eigenes Blut pochte Rhea in den Ohren. Zweimal musste Gaia sie an der

    Schulter festhaltend, damit sie nicht an der feuchten Wand zu Boden sank, biss Rhea die Zähne zusammen und richtete sich wieder auf. Sie sagte nichts. Die andere auch nicht. Nur ihre Schritte blieben, schleifend und vorsichtig, in dem engen Gang, der sich unter dem Berg hinzog.

    Später wurde der Boden fester. Die Luft änderte sich. Sie roch nicht mehr nur nach nasser Erde und abgestandenem Stein. Kälte strich ihnen entgegen. Rhea hob die Hand, und beide blieben stehen. Vor ihnen lag Dunkel, das nicht mehr ganz geschlossen war.

    Aus dem Fels kam nun ein schärferer Atem, als läge hinter der Schwärze offener Raum; er trug den metallischen Geschmack von Sickerwasser und den kalten Geruch frisch gebrochener Steinkanten. Unter Rheas Hand war die Wand glitschig vor Feuchte, und irgendwo weiter vorn fiel in regelmäßigen Abständen Wasser mit einem hohlen Laut.

    „Noch ein Stück“, sagte Gaia leise.

    Rhea nickte nur.

    Dann gingen sie weiter, gebückt, bis der Gang anstieg. Das Gestein wurde rauer. Einmal musste Rhea sich mit beiden Händen an einer Kante hinaufziehen. Dabei fuhr der Schmerz wieder durch ihren Leib, diesmal scharf. Sie keuchte und blieb auf den Knien. Feuchtigkeit rann ihr über die Schenkel. Die andere drehte sich um, trat zu ihr und griff unter ihren Arm.

    „Hör zu.“ Gaia packte fester zu. „Er hat genommen, was ihm gereicht wurde.“

    Statt zu antworten, hob Rhea den Kopf.

    „Du weißt es?“

    „Ich weiß es.“

    Mehr sagte Gaia nicht, doch als Rhea für einen Atemzug die Augen schloss, genügte es. Dann stand sie auf.

    Am Ende des Ganges stemmte Gaia die Schulter gegen einen flachen Stein. Er gab erst widerwillig nach, dann mit einem dumpfen Ruck. Kalte Nachtluft schlug ihnen entgegen. Rhea trat hinter ihr aus dem Fels auf ein dunkles Stück Hangland. Über ihnen stand der Himmel offen, doch nahe brannte kein Licht. Der Wind strich durch niedriges Gehölz. Weiter unten lag schwarzes Land, und dahinter war das Meer nur als noch schwerere Finsternis zu ahnen.

    Die Luft draußen biss rau an der nassen Haut und roch nach Salz, nach zerdrücktem Beifuß und nach dem staubigen Atem des Hangs, der die Tageswärme längst verloren hatte. Von weit unten stieg das gedämpfte Schlagen der Brandung herauf, so fern, dass es mehr im Leib nachklang als im Ohr.

    Sie zog den Mantel fester um sich, und ihre Hände zitterten. Es war nicht die Kälte.

    Gaia schob den Stein wieder an seinen Platz. Dann führte sie Rhea quer über den Hang. Der Weg war schmal und uneben, lose Steine kippten unter ihren Sohlen. Zweimal glitt Rhea aus. Beim zweiten Mal fing ihre Begleiterin sie nicht sofort auf. Rhea fing sich selbst, blieb stehen, holte Luft und ging weiter.

    Es dauerte lange. Die Nacht rückte vor. Aus den Siedlungen kam kein Laut, kein Hundegebell, keine Stimme. Nur Wind, Schritte, das kurze Scharren kleiner Tiere im Gras. Rhea sparte ihre Kraft und hielt den Blick auf Gaias Rücken gerichtet. Mehr brauchte sie nicht.

    Mit jedem Anstieg wechselte die Luft: einmal stand sie still und roch trocken nach Staub und Kräutern, dann strich wieder ein kühler Zug vom Meer herauf und fuhr ihr unter den Mantel. Unter den Sohlen knirschte feiner Schiefer, und aus flachen Steinen hielt sich noch Restkälte, die durch das Leder drang.

    Als sie das Berghain erreichten, merkte Rhea es zuerst an der Ordnung. Die Bäume standen enger, doch der Boden war freigeräumt. Nirgendwo lag dürres Holz herum. Zwischen den Stämmen war ein Platz aus festgetretener Erde, dunkel und still. Dahinter stieg die Felswand auf. Der Türstein war nur daran zu erkennen, dass sein Rand glatter verlief als das Gestein daneben.

    Hier roch die Nacht anders, enger: nach Harz, zerdrückter Nadelstreu und dem dumpfen, sauberen Geruch von Erde, die lange im Schatten gelegen hatte. Hoch über ihnen strich Wind durch die Kronen, tiefer aber hing die Luft fast reglos, nur von dem dünnen Singen einzelner Insekten berührt.

    Statt vor dem Stein stehen zu bleiben, ging Gaia weiter in den Hain hinein.

    Aus der Dunkelheit traten Männer.

    Als sie stehen blieb, zählte Rhea sieben, vielleicht acht. Sie trugen kurze Waffen an den Seiten und Bronzeschilde auf dem Rücken oder am Arm. Keiner sprach zuerst. Vor den anderen stand einer, nicht älter an Jahren, wohl aber in seiner Haltung. Er musterte Gaia, dann Rhea. Sein Blick blieb an dem Blut hängen, das den Saum ihres Gewandes verdunkelt hatte.

    „Du bringst sie zurück?“ Er hielt Gaias Blick fest.

    „Ich bringe sie bis an eure Schwelle“, erwiderte Gaia. „Weiter geht sie selbst.“

    Der Mann sah Rhea an. „Kannst du sprechen?“

    „Ja.“

    „Kannst du stehen?“

    „Ja.“

    Er wartete einen Augenblick, als prüfe er, ob die Antwort mehr war als Trotz. Dann hob er die Hand, und zwei der Männer traten zur Seite. Der Platz zwischen den Bäumen öffnete sich.

    „Du kennst die Bedingung“, sagte er mit flacher Stimme. „Sie wurde dir genannt.“

    Rhea antwortete nicht sofort. Sie hörte die Worte wieder, klar und hart: weder Name noch Zeichen noch Anspruch. Damals hatte sie sie hingenommen, weil der Weg offenbleiben musste. Jetzt standen bewaffnete Männer vor ihr, und Schweigen reichte nicht mehr.

    „Ich kenne sie.“

    Der Wind strich durch das Gehölz, und zwischen den Stämmen blieb es still.

    „Ein verschwiegener Name schützt niemanden“, sagte Rhea.

    Niemand antwortete sofort. Die Männer standen im Halbkreis zwischen den Bäumen. Manche hielten die Schilde locker, andere bereits fest vor dem Leib. Flüchtig strich der Blick eines der Jüngeren zu Gaia hinüber und glitt gleich wieder fort.

    Der Anführer blieb bei ihr. „Er schützt den, der ihn nicht hört.“

    „Bis er sucht“, erwiderte sie. „Und er sucht.“

    Ohne Eile. Im kalten Harzgeruch des Hains lag ihre Stimme rau. Sie stand zu gerade für einen Körper, der kaum noch stand. Das Blut war ihr aus dem Gesicht gewichen, doch ihr Blick wich nicht.

    Mit einem schmalen Blick entgegnete der Anführer: „Du sagst: er. Wir wissen, wen du meinst.“

    „Dann wisst ihr auch, was sein Suchen bedeutet.“

    Ein älterer Kuret stieß den Schaft seiner Lanze in den Boden. „Suchtrupps am Berg sind das eine. Den Zorn im eigenen Haus zu tragen, etwas anderes.“

    Sie wandte den Kopf zu ihm. Knapp sagte sie: „Ja.“

    Weiter erwiderte sie nichts. Das Wort blieb stehen, ohne jede Beschwichtigung, während Missfallen den Mund des Mannes verzog. „Und dafür sollen wir uns binden.“

    „Dafür“, sagte sie.

    Wieder ging ein Zug durch die Schar. Es war Rechnung. Wer sich bewegte, tat es klein und knapp. Leise rückten Schilde an Schenkel, Finger prüften Lederriemen. Niemand sprach von Mitleid.

    Der Anführer blickte an ihr vorbei in die Dunkelheit des Hains. „Eine Frau kommt bei Nacht, geschwächt, verfolgt, mit einer Geschichte, die nach Blut riecht. Sie fordert Bewaffnete und will mehr als Deckung. Sie will einen Eid. Du verlangst viel.“

    „Ich verschweige nichts.“

    „Nein.“ Seine Stimme blieb flach. „Das tust du nicht.“

    Gaia trat nun einen Schritt vor, nur weit genug, dass einige Männer sie neu musterten.

    „Dies ist ein alter Ort“, begann sie.

    Ihre Stimme lag flach im Hain. Kein Laut von den Männern unterbrach sie.

    „Kein Ort des Trostes. Kein Ort des Ausruhens.“ Ihr Blick glitt über Stein, Stamm, Schildrand. „Verwahrung. Nicht Stützung.“

    Er begegnete ihrem Blick und schwieg.

    Gaia hob die Hand nicht; sie brauchte es nicht. „Hier wurden Dinge gehalten, die nicht frei gehen sollten. Dort wurden Worte gesprochen, die blieben. Bindet man an diesem Ort, bindet man nicht an den Wind. Der Stein behält, was vor ihn gesetzt wird.“

    Einer der Jüngeren schluckte hörbar. Ein anderer setzte den Fuß einen halben Schritt zurück.

    Dann fuhr Gaia fort: „Dies ist ein Weg, ein Verwahrungsweg. Uranos hat an diesem Ort nichts gestützt. Er hat gefesselt.“

    Jetzt ging die Bewegung deutlicher durch die Männer. Das Wissen stand ihnen in den Gesichtern: Sie hatten den Ort erkannt. Der Hain war nicht mehr nur Deckung zwischen Berg und Nacht. Er hatte seine alte Ordnung wieder.

    Langsam senkte der Anführer den Blick zum Hainstein. Er lag halb frei, dunkel, breit, mit harten Kanten. Danach wandte er sich wieder zu ihr.

    „Wenn wir an diesem Ort sprechen“ – sein Blick glitt noch einmal über den Stein – „dann sprechen wir nicht leicht.“

    „Darum bin ich gekommen.“

    Als er einen Schritt auf sie zutrat, musterte er die Männer aus dem Augenwinkel. „Mutterschaft genügt meinen Männern nicht. Mitleid auch nicht. Jeder, der sich bindet, muss wissen, woran.“

    Sie nickte einmal. „Dann hört es ganz.“

    Sie atmete flach. Gaia sah, wie der Schmerz sie im Rücken packte, wie ihre Finger kurz ins Leere griffen und wieder still wurden.

    „Ich fordere nicht, dass ihr ein Kind bemitleidet, das ihr nicht seht. Ich fordere, dass ihr einen Eid nehmt gegen den, der alles nimmt, was er greifen kann.“ Sie sprach nun fester. „Wenn ihr diesen Eid nehmt, zieht ihr seine Suche auf euch. Möglicherweise seine Wachen, vielleicht Blut vor euren Türen, vielleicht Rache gegen eure Häuser. Tritt jetzt einer zurück, tritt er nicht in Schande zurück. Wer bleibt, bleibt mit Wissen.“

    Das war das erste Mal, dass einer der Schwankenden den Blick hob und ihn nicht gleich wieder senkte.

    Niemand sprach. Der Wind strich durch die Kronen. Holz knackte irgendwo im Dunkel. Sonst nichts.

    Der ältere Kuret mit der Lanze atmete schwer durch die Nase. „Und wenn wir den Eid brechen?“

    Sie sah ihn an. „Dann brecht ihr ihn nicht an mir.“

    Zuerst verstand er nicht. Dann wurde sein Gesicht hart, als er begriff. „An Zeus.“

    Wieder die kleine Bewegung. Stärker diesmal. Der Name traf sie hier, vor Stein und Schilden und Zeugen.

    „An Zeus“, wiederholte er.

    „An sein verborgenes Leben“, sagte sie. „An das Kind, das nicht in eurem Arm liegt und euch doch in die Hand gegeben wird, wenn ihr bindet. Wer ihn preisgibt, verrät nicht nur mich. Verlässt einer ihn, verlässt er den Eid. Und wer ihn bricht, zieht die Strafe des Meineids auf sich.“

    Niemand lachte. Niemand fragte nach dem Maß dieser Strafe. Das Schweigen nahm das Wort auf und hielt es fest.

    Langsam ging er, damit jeder sah, dass er nicht aus Unruhe aufbrach, sondern aus Entschlossenheit. Der Boden gab unter seinen Schritten kaum nach. Er trat bis an den flachen Stein vor dem Hain und blieb dort stehen. Eine Hand lag fest am Rand des Schildes, während die andere den Speer aufrecht hielt.

    Unter den Kiefern lag der schwere Geruch von Harz und warmer Nadelstreu, und aus der Höhe kam ein fernes, gleichmäßiges Rauschen, als striche Wind über verborgenes Geäst. Zwischen den Stämmen stand die Luft nicht still; sie kühlte an den Wangen und brachte das feine Zirren unsichtbarer Insekten mit sich.

    Er sah nicht Gaia an, sondern Rhea.

    „Nicht an dich“, sagte er. Seine Stimme war tief und ohne Zorn. „Nicht an dein Leid. Ich binde mich weder an deine Flucht noch an dein Wort allein.“

    Rhea stand still. Nur ihr Atem verriet, was es sie kostete.

    Dann trat der Mann noch einen Schritt näher. Nun lag nur wenig Raum zwischen ihnen. „Wenn wir uns binden, dann nicht in einem Namen, der morgen wieder im Schweigen verschwindet. Nicht an eine Mutter, die uns ruft und uns danach mit ihrem Blut allein lässt. Wir binden uns nicht aus Mitleid oder Furcht.“

    In seinem Rücken regte sich einer der Jüngeren; das Leder am Griff seines Schildes knarrte, doch niemand sprach dazwischen.

    Stattdessen hob der Anführer das Kinn und sagte: „Wenn du forderst, dass wir gegen Kronos stehen, dann fordere es recht. Sag, wem wir gehören sollen. Sag, wer Herr dieses Eides ist. Sag, wessen Leben höher steht als unseres, wenn es darauf ankommt.“

    Rhea antwortete nicht sofort. Gaia trat einen halben Schritt an ihre Seite, nicht vor sie, und ihre Stimme durchschnitt die Stille.

    „Hier wird nicht halb gebunden.“

    Sie wandte sich nicht einem Einzelnen zu, sondern dem ganzen Hain. „Dieser Ort hat ältere Worte gehört als eure. Frühere Fesseln. Alte Gewalt. Stein vergisst nicht. Schilde vergessen nicht. Wer an diesem Ort spricht, spricht nicht nur für einen Abend. Wer hier bindet, bindet sich ohne Rückweg.“

    Ein kurzer Wind strich durch die Bäume. Die Bronzeränder der Schilde stießen dumpf und leise aneinander.

    Der Luftzug fuhr kühl unter Fellsaum und Leder und trug den bitteren Duft aufgerissener Rinde herab. Hoch über ihnen antworteten Zweige mit einem trockenen Flüstern, das kam und verging, während tiefer im Hang unsichtbar Wasser rauschte.

    Dann hob Gaia die Hand zum Stein. „Vor diesem Stein, vor euren Schilden und vor den Zeugen, die dort stehen, vor den Augen aller. Unter freiem Himmel, nicht im verborgenen Gang.“

    Ihre Augen ruhten auf dem Anführer. „Wenn du forderst, dass der Name den Eid trägt, dann höre ihn offen. Gibt sie ihn, nimmst du nicht nur ihren Auftrag an. Du nimmst Last auf dich. Du nimmst Grenze auf dich. Du nimmst Strafe auf dich, wenn du fällst.“

    Rhea schloss für einen Moment die Augen. Als sie sie wieder öffnete, war das Zögern fort. Das Blut war aus ihrem Gesicht gewichen, doch ihre Stimme trug. Sie hob das Kinn, als lege sie das Eigene hinter sich.

    „Gut“, sagte sie.

    Sie richtete sich auf, obwohl der Schmerz sie dabei sichtbar traf. Kurz lag ihre Hand auf Gaias Arm, dann ließ sie ihn los. „Hört mich nun alle.“

    Keiner wich zurück.

    „Ich nehme euch nicht auf mich.“ Jedes Wort kam klar. „Mein Haus bleibt von diesem Eid getrennt. Mein Bett bleibt davon getrennt. Ich stelle euch nicht unter meine Hand, damit ihr mir dient, solange ich euch brauche.“

    Der Anführer senkte den Blick nicht. Er wartete.

    „Ich gebe euch an den Sohn des Kronos.“

    Das Wort stand offen im Hain. Keiner von ihnen tat, was Menschen oft tun, wenn sie vor einem verbotenen Namen erschrecken. Keiner sah erst nach oben, dann nach links oder in das Dunkel. Sie blieben, wo sie waren, und nahmen den Namen hörbar an.

    Für einen Herzschlag schien selbst das Insektenzirren dünner zu werden, als halte der Wald den Laut zwischen den Stämmen fest. Dann kehrte das ferne Rauschen zurück, und der Geruch von Harz lag wieder schwer und fast süß in der wechselnden Bergluft.

    Rhea fuhr fort: „Er soll euer Herr in diesem Eid sein. Sein verborgenes Leben steht über eurem Leben, wenn Kronos zwischen euch und Zeus tritt. Ihr kennt ihn nicht, ihr habt ihn nicht gesehen. Ihr nehmt heute seinen Namen an und stellt euch unter ihn.“

    Ein Murmeln ging durch die Reihe. Das Gewicht ihrer Worte blieb im Hain.

    Rau sagte der alte Kuret mit der Lanze: „Ein Kind als Herr.“

    Rhea wandte ihm den Kopf zu. „Ein Leben, auf das Kronos Anspruch legt. Das genügt.“

    Der Mann presste den Mund zusammen und schwieg.

    Dann zog der Anführer den Schild vom Arm. Er stellte ihn mit der Wölbung nach außen an den Stein. Danach legte er den Speer daneben und ging auf ein Knie. Das geschah ohne Hast und ohne Schmuck. Das Leder an seinem Knie gab trocken nach. Er legte die rechte Hand an den Rand des Schildes, die linke offen auf den Stein.

    Am Boden roch es nach zerdrückter Nadelstreu und kaltem Staub, der sich trocken an seine Haut legte, während aus dem Stein eine dumpfe Kühle in die offene Hand stieg. Irgendwo im Gehölz klickte ein Insekt hart und klein gegen die Stille.

    „Sprich den Eid“, forderte Gaia.

    Der Mann am Stein sprach: „Mein Leben binde ich an sein verborgenes Leben. Wache halte ich, wo er verwahrt wird. Schild und Speer erhebe ich gegen den, der nach ihm greift. Seinen Namen trage ich nicht fort, um ihn zu verkaufen. Keinen Weg öffne ich zu seinem Versteck. Keinen Befehl gegen Zeus nehme ich an, weder aus Furcht noch um Lohn. Unter diesem Eid fällt einer von uns, wenn er fällt. Verrät einer ihn, so trägt er den Eidbruch an ihm.“

    Die letzten Worte blieben im Hain hängen.

    Gaia trat einen Schritt näher. Das dumpfe Schlagen der Schilde war verstummt, und zwischen den Stämmen stand nur noch sein Atem.

    „Lauter.“

    „Wenn Zeus Herr dieses Eides ist, so höre er“, sagte der Kuret noch einmal, jetzt mit erhobener Stimme. „Mein Leben binde ich an sein verborgenes Leben. Wache halte ich, wo er verwahrt wird. Schild und Speer erhebe ich gegen den, der nach ihm greift. Seinen Namen trage ich nicht fort, um ihn zu verkaufen. Keinen Weg öffne ich zu seinem Versteck. Keinen Befehl gegen Zeus nehme ich an, weder aus Furcht noch um Lohn. Unter diesem Eid fällt einer von uns, wenn er fällt. Verrät einer ihn, so trägt er Eidbruch an ihm.“

    Gaia nickte nicht. Sie wartete nur.

    Dann trat der Nächste vor. Auch er löste den Schild vom Arm, stellte ihn an den Stein und legte die Hand daran. Seine Stimme klang jünger, aber fest genug, als er denselben Eid sprach. Nach ihm kam ein dritter, dann ein vierter. Holz auf Stein. Bronze auf Erde. Knie im trockenen Boden. Hände an Schildrand und Fels.

    Rhea hörte jedes Wort. Mit jedem Mann wurde der Name schwerer, nicht leichter. Er lag nicht mehr bei ihr, sondern vor allen.

    Keiner änderte den Eid, und keiner sprach ihn leiser. Einer stockte bei dem Satz, keinen Weg zu öffnen, und begann ihn noch einmal. Gaia hob nur die Hand und hielt ihn fest, bis kein Zweifel mehr darin stand. Ein anderer presste die Lippen zusammen, bevor er sagte, dass er keinen Befehl gegen Zeus annehmen werde. Auch das wurde gehört. Der Hain roch nach trockener Erde und gab nichts zurück.

    Als der letzte Kuret gesprochen hatte, verharrte alles. Dort am Stein standen die Schilde. Die Speere lehnten daran oder lagen auf dem Boden. Rhea sah in die Gesichter der Männer und wusste, dass der Bund nicht mehr aus ihr genommen werden konnte. Gerade darum durfte nichts von ihr an ihm haften bleiben.

    Gaia trat an den Stein. „Von dieser Nacht an gibt es keinen Weg zu diesem Kind durch euren Mund, eure Hand oder euren Schritt, nachdem ihr ihn gehört und einander gehört habt. Vor Tageslicht ist jeder Tritt gelöscht, und jeder Bruch im Gestrüpp schließt sich. Jede Spur im Staub wird gewendet. Wo Wasser gegangen werden kann, sollt ihr im Wasser gehen. Wo Fels ist, bleibt nur Fels.“

    Der Anführer hob den Blick. „Und sie?“

    Er sah zu Rhea.

    Gaia trat einen Schritt vor sie. „Sie kommt nicht hierher zurück, weder offen noch heimlich. Nicht ein zweites Mal auf demselben Weg.“

    Rhea sagte nichts. Sie hatte das schon gewusst, seit Gaia vor dem Stein verlangt hatte, dass der Schutz nicht an ihr hängen dürfe. Doch nun stand dieses Wissen außerhalb von ihr, hart und fest.

    Als der alte Kuret mit der Lanze fragte: „Wenn Kronos sucht?“

    „Dann findet er Männer, die nichts gesehen haben, nichts wissen und keinen Namen gehört haben“, sagte Gaia. „Wenn einer von euch fällt, fällt er unter seinem Eid. Redet einer, stirbt mehr als er.“

    Die Luft blieb still.

    Gaia wandte sich an Rhea. „Komm.“

    Noch einmal sah Rhea zum Stein. Die Schilde standen dort, wo die Männer sie gestellt hatten. Der Name war gesprochen worden. Danach durfte sie nichts mehr an sich ziehen. Sie drehte sich um und ging mit Gaia zwischen den Stämmen davon.

    Hinter ihnen begannen die Kureten ohne Ruf und ohne weiteres Wort. Einer hob den Speer auf, ein anderer den Schild. Zwei verschwanden seitlich den Hang hinab. Einer strich mit dem Fuß über eine Stelle loser Erde und glättete sie. Darin zeigte sich der Bund in seiner ersten Tat.

    Der Weg zurück war enger, weil Rhea nun auf jedes Zeichen achtete. Abgeknicktes Gras. Dunkler Boden, wo Feuchtigkeit an den Sohlen gehangen hatte. Ein Ast, den jemand beim Kommen beiseite gedrückt und nicht ganz in seine Lage zurückgebracht hatte. Oft hielt Gaia an. Bisweilen bückte sie sich nur und legte einen Stein anders hin. Manchmal strich sie mit dem Fuß über den Boden. Einmal führte sie Rhea aus dem Pfad in ein flaches Rinnsal; das kalte Wasser stand ihnen an den Knöcheln, und sie hielt dort inne, bis der Fels wieder offen lag.

    „Sprich nicht“, sagte Gaia.

    Rhea hatte nicht sprechen wollen. Sie hielt den Mantel eng und ging weiter. In ihr drängte alles zurück in den Hain, zum Stein, zu dem Ort hinter der Felswand. Sie gab nichts davon nach außen.

    Am Türstein hielten sie nicht lange. Gaia prüfte den Rand, die Erde davor, die Splitter am Boden. Dann schob sie den Stein mit angespanntem Rücken in seine Lage. Das Geräusch war kurz und tief. Danach war nur Fels zu sehen.

    Sie gingen weiter, tiefer in die Nacht, über den verborgenen Weg, den Gaia ihr auf der Hinreise geöffnet hatte. Jetzt schloss sie ihn Schritt für Schritt. Zweige wurden zurückgebunden, dann gelöst, damit sie wieder frei hingen. Ein loses Stück Rinde, das an Rheas Gewand hängen geblieben war, nahm sie ihr ab und warf es in dunkles Wasser. Einmal blieb sie stehen und fasste Rhea an den Arm.

    „Unter deinem Haus suchen sie.“

    „Ich weiß.“

    „Dann weißt du auch, dass kein Sand aus Kreta an deinen Sohlen bleiben darf.“

    Rhea setzte den Fuß auf einen flachen Stein und rieb die Sohle daran, bis der angetrocknete Schmutz abging. Gaia tat es ebenso, dann gingen sie weiter.

    Als sie ihr Gemach erreicht hatte, schloss Rhea die Tür gegen den kalten Zug. Im Herd glomm noch schwache Wärme unter grauer Asche. Sie legte den Mantel ab, löste den salzsteifen Saum ihres Gewands und rieb den feinen Sand mit den Fingern davon, bis er auf die Steinplatten rieselte. Danach nahm sie das Tuch vom Haar, schüttelte Staub und trockene Nadeln in die Glut und sah zu, wie sie schwarz wurden. Aus einer Falte ihres Gürtels zog sie zuletzt den kleinen kretischen Reiseknoten, den ersten, den sie verborgen getragen hatte. Einen Augenblick hielt sie die raue Schnur zwischen Daumen und Finger, dann warf sie sie in den Herd. Ein scharfer Geruch stieg auf, als die Fasern sich kräuselten und vergingen.

    Der Othrys lag

    Der Othrys lag nicht still.

    Unter der Tür zog Luft herein, und mit ihr kamen Schritte, Rufe, das harte Schieben von Holz über Stein. Einmal klirrte Metall im Gang. Dann hörte sie eine Männerstimme, gedämpft durch Mauer und Tür, und gleich darauf das dumpfe Öffnen einer anderen Kammer. Kronos hatte den Befehl gegeben. Sie brauchten nicht zu sprechen, damit sie es wusste.

    Rhea stand noch am Herd. In der Asche lag die geschwärzte Schnur. Dann trat sie sie mit der Sandale tiefer in die Glut. Dann hob sie den Kopf.

    Vor ihrer Schwelle ging einer der Wächter vorbei. Während er an ihrer Tür vorüberzog, setzte er jeden Tritt schwer und absichtlich fest. Er sollte gehört werden. Inzwischen veränderte sich der Schatten unter der Tür, dann ging auch der zweite weiter.

    Rhea löschte die Lampe.

    Sie wartete im Dunkeln, bis die Geräusche im Korridor sich entfernten, nicht ganz, nie ganz, denn immer blieb irgendwo ein Laut. Aus dem Hof drang eine Stimme. Ein Schlag gegen Stein. Das Scharren einer Sohle vor ihrer Tür.

    Statt sich zu setzen, spannten ihre Beine noch unter ihr nach von dem Weg, und in ihrem Leib saß der stumpfe Schmerz der Geburt. Sie nahm ihn hin. Getrieben von der Erinnerung an Gaias Handgriff ging sie zur Wand, tastete am Fuß der Steinplatte nach der schmalen Kante, die Gaia ihr gezeigt hatte, und drückte. Nichts geschah. Trotzdem wartete sie, setzte die Hand fester an und verlagerte das Gewicht. Mit einem trockenen Ruck löste sich unter ihr etwas.

    Sie verharrte und horchte.

    Draußen sagte niemand etwas. Entweder hatte der Wächter vor der Tür nichts gehört, oder er verstand es nicht. Rhea hob die Platte an. Kalte Luft schlug aus der Öffnung herauf. Danach zog sie den Mantel wieder um die Schultern, nahm nichts sonst mit und ließ sich in den Schacht hinab.

    Unten war es enger, als sie es aus der vorigen Nacht erinnerte. Damals war Gaia vor ihr gegangen. Jetzt hatte sie nur die Hand am feuchten Gestein und die Erinnerung an Biegungen, Stufen, niedrige Stellen. Zweimal stieß sie mit der Schulter an. Einmal, als ihr Fuß auf nassem Stein wegglitt, fing sie sich mit beiden Händen ab. Der Schmerz schoss ihr bis in den Rücken. Sie presste die Zähne zusammen und kroch weiter.

    Über ihr: das Haus. Vor ihr lag der einzige Weg, der noch nicht in Kronos’ Hand war. Vielleicht suchten sie bereits die unteren Kammern ab. Vielleicht waren schon Männer an einem anderen Zugang. Sie ging schneller, soweit der Gang es zuließ.

    Wo der Schacht sich in den längeren Tunnel öffnete, roch die Luft nach Salz. Dort richtete sie sich halb auf. Sie tastete an der Wand entlang, bis die Finger die eingeritzte Furche fanden, die Gaia mit einem Stein markiert hatte. Rechts führte der Gang zur Bucht, links in tote Finsternis und alten Fels. Rhea bog ohne Zögern ab.

    Als sie aus dem letzten Spalt zur verborgenen Bucht trat, war der Himmel noch dunkel. In den Felsen glomm kein Feuer. Zwischen den Felsen lag das Meer schwarz. Am Rand des Kieses hob sich eine Gestalt.

    „Du bist früh.“ Dann trat Gaia einen Schritt aus dem Dunkel.

    Rhea antwortete nicht sofort. Sie ging die letzten Schritte bis zu ihr und hielt erst an, als der Schmerz sie dazu zwang. Mit einem Blick sah Gaia ihr ins Gesicht, dann auf ihre Hände, auf den nassen Saum, auf den Schmutz an den Knien.

    „Sie suchen schon“, sagte Rhea.

    Gaia nickte nur.

    Weiter oben im Schatten, als Rhea aufsah, lösten sich die Männer aus dem Gestein. Die Kureten kamen ohne Hast herunter. Keiner fragte, warum sie in derselben Nacht wieder hier war. Beim Anblick ihres Zustands schwiegen sie. Einer trug zwei Schilde, ein anderer ein Bündel Speere. Der Jüngste blieb einen Schritt zurück, bis der Älteste ihn mit einem Blick vortrieb.

    „Zum Ida“, kam es von Gaia.

    Der Aufstieg begann noch vor dem ersten Grau des Morgens. Der Pfad war schmal und trocken. An manchen Stellen gab es keinen Pfad, nur Fels und lockere Erde zwischen niedrigem Gestrüpp. Rhea ging vorne, solange sie konnte, denn sie kannte den letzten Anstieg zur verborgenen Felswand. Danach überholte sie keiner der Männer, aber einer nahm ihr den schwierigsten Tritt, indem er vor ihr mit dem Speer lose Steine fortstieß. Sie duldete es. Für Stolz war keine Kraft mehr in ihr.

    Niemand sprach viel. Nur wenn der Hang sich teilte, nannte Gaia mit leiser Stimme die Richtung. Einmal hielt Rhea an, weil ein Schwindel durch sie ging. Sie legte die Hand auf kalten Fels und wartete. Hinter ihr hielten auch die Männer an und warteten reglos; niemand tat, als sähe er es nicht.

    „Ich gehe weiter“, sagte sie.

    Da erst setzten sie sich wieder in Bewegung.

    Mit dem Morgen kam Kälte aus den höheren Lagen. Der Wind griff unter ihren Mantel. Als sie den Hain erreichten, standen die Bäume dicht genug, dass der Himmel nur in schmalen Stücken zwischen den Kronen sichtbar blieb. Dort wartete kein Zeichen von Gefahr, weder ein fremder Tritt im Boden noch ein gebrochener Ast an der falschen Stelle. Nur die Stille des Ortes, den jetzt mehr als Schweigen schützte.

    Rhea blieb nicht beim Stein des E

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