PANATHINAIA

    Alexia Michailidou · Band 1

    PANATHINAIA

    Κεφάλαιο 13 από 13

    Κεφάλαιο 13

    Der Sitz über dem Drängen

    Scharf zeichnete sich der Bruch nun offen ab. Nicht mehr Kampf, nicht mehr der Griff am Rand, nicht mehr Kronos’ Atem vor seinem Gesicht. Zwischen dem Einsturz dort unten und dem, was als Nächstes geschehen musste, lag ein harter Schnitt. Vor Zeus fiel der neue Abriss in die Tiefe. Hinter ihm kamen Schritte näher. Der Ort hatte gewechselt, der Zustand auch: Aus dem Nahkampf am Rand war ein Platz des Urteils geworden.

    Zeus stand noch breit im Schutt, das schwarze Werkstück in der Hand. Staub klebte auf seiner Haut. Blut lief an seiner Seite langsamer als eben. Aus dem Schacht rieselte es nach, und darunter ging etwas weiter, das kein einzelner Aufschlag mehr war. Es hörte nicht auf. Er sah nicht hinunter. Dort unten war nichts zu sehen, das ihm Antwort gab.

    Du weißt nicht, was dort ist.

    Wieder stand der Satz da, scharf und unverbraucht.

    Vollstrecker, und der Titel traf jetzt anders.

    Er umklammerte den Splitter fester, bis die Kanten in die Haut drückten.

    Gaia ließ seinen Arm los. Sie trat an ihm vorbei, aber nicht zu nah an den frischen Rand. Ihre Stimme ging ohne Mühe über Schutt, Atem und fernes Rutschen hinweg.

    „Der Tartaros ist offen.“

    Niemand sprach dagegen.

    Erst jetzt wurde Zeus klar, wie viele gekommen waren. Keine einzelnen Nachzügler. Eine ganze Linie von Gestalten über dem aufgerissenen Gelände: Götter, Verbündete, die Hekatoncheiren mit ihren breiten Schultern und den Kettenzügen, die sie bereits schleppten, und weiter zurück Titanen, denen man die Waffen abgenommen hatte oder gerade aus den Händen wand. Sicherer kamen sie jetzt. Sie waren gekommen, weil der Fall entschieden war.

    Den Arm zum Schacht erhoben, erklärte Gaia: „Der Fluch des Uranos hat sich erfüllt. Kronos ist gefallen. Was er verschlossen hielt, ist aufgebrochen. Was er tat, kehrt auf ihn zurück.“

    Ein Murmeln ging durch die Versammelten, kurz, gedrückt, nicht wie Jubel. In manchen Gesichtern standen Erschöpfung, Schreck, Gewissheit, und nach Kronos suchte dort niemand mehr.

    Nur einer trat vor. Ein Titan, schon an den Handgelenken gefesselt, riss sich gegen die Kette, bis zwei Hekatoncheiren ihn hielten. Staub lag in seinem Bart. Blut stand an seiner Stirn.

    „Dann stürzt uns nach“, stieß er heiser hervor. „Wenn du wirklich stärker bist, dann töte uns hier. Oder fürchtest du den Blick derer, die noch stehen?“

    Zeus antwortete nicht sofort. Sein Blick glitt über den Titanen, die Ketten, den Schacht. Töten war einfach, ein Stoß, ein Befehl, und der Rand nahm noch auf, was man ihm gab.

    Gaia wandte den Kopf nur wenig zu ihm.

    „Othrys kann sie nicht halten“, warnte sie. „Jetzt nicht. Nach dem, was offenliegt, bleiben sie nicht oben.“

    Einer der Hekatoncheiren trat vor, die Kette in mehreren Händen gesammelt. Seine Stimme war tief und sachlich.

    „Wenn Titanen kommen, kommen sie nicht einzeln.“

    Kaum merklich nickte Zeus. Die Wahrheit dieses Satzes kam ihm nicht aus Zahl und Übersicht. Sie saß im Druck der letzten Stunden, in dem, was immer wieder nachdrängte, sobald irgendwo Raum entstand.

    Der gefesselte Titan lachte einmal trocken, tief unten in der Stimme.

    „So also beginnt es. Er unten. Wir unten. Und du oben.“

    Zeus wandte den Blick wieder auf den Schacht. Staub zog noch aus der Tiefe herauf, und das Geräusch dort unten war schwächer geworden, doch nie ganz still.

    Du weißt nicht, was dort ist.

    Kronos hatte im Fallen nicht nach seinem Leben gegriffen. Zuerst nach dem schwarzen Stück. Der letzte Griff, der nicht ihm gegolten hatte, saß Zeus wieder am Bein.

    Er hielt die Hand hoch und sah den Splitter an. Schwarz, stumpf, an manchen Kanten dunkel glänzend unter dem Staub und dem fremden Blut. Gaia sah das Werkstück ebenfalls an, und er merkte, dass sie mehr darin erkannte als er. Aber sie nahm es ihm nicht ab, sprach nicht darüber und sprach stattdessen über Ordnung.

    „Der Zugang wird bewacht“, erklärte sie in den Kreis. „Von jetzt an ohne Lücke. Was hier aufgebrochen ist, bleibt nicht sich selbst überlassen. Und die Titanen gehen hinab. Als Verwahrte.“

    Das Wort blieb einen Augenblick stehen.

    Der Titan an den Ketten spuckte Blut in den Staub.

    „Verwahrte“, wiederholte er. „Sag Kerker. Sag es mit deinem ersten Atemzug als Herrscher.“

    Zeus trat vor. Weit genug, dass alle ihn sehen konnten. Er war müde. Jeder Atemzug saß noch hart in Brust und Bauch. Gerade deshalb sprach er ohne Zorn.

    „Ich sage: Ihr geht in den Tartaros.“

    Stille.

    „Ihr geht nicht hinab, weil Kronos dort gefallen ist. Ich werfe euch nicht nach. Ihr geht hinab, weil ihr keinen Ort über der Welt mehr haltet, ohne sie wieder zu brechen.“

    Etwas wollte der Titan erwidern, aber Zeus hob die freie Hand.

    „Und dieser Zugang bleibt unter Wache. Für eure Rückkehr bleibt er nicht offen. Für euren Krieg auch nicht.“

    Er drehte den Kopf zu den Hekatoncheiren.

    „Ihr haltet den Tartaros. Niemand geht ohne meinen Befehl hinein. Niemand kommt ohne Kampf heraus.“

    Die Hekatoncheiren antworteten nicht laut. Sie zogen die Ketten nur fester, traten in Stellung, verteilten sich am Bruch und an den Wegen dorthin. Es wirkte nicht feierlich. Es wirkte endgültig.

    Zeus sah es und wusste im selben Zug, was es war. Ordnung. Notwendig. Und verwandt mit dem, was er eben gestürzt hatte.

    Vollstrecker, der Titel stand jetzt anders in ihm, er stand in dem Befehl selbst, doch Gaia ließ ihm keine Zeit, daran stehen zu bleiben.

    „Die Höhe wartet nicht von selbst auf den, der herrschen soll“, mahnte sie. „Der Olympos bleibt nicht leer. Geh hinauf.“

    Er wandte sich zu ihr. In ihrem Gesicht lag keine Bitte. Den nächsten Schritt der Welt setzte sie fest, und alle hörten es.

    „Unten ist entschieden worden, was enden musste“, fuhr sie fort. „Oben muss beginnen, was bleiben soll.“

    Den Weg hinauf nahm Zeus über ihren Blick hinaus wahr. Der Aufstieg lag frei. Höher, karger, vom Kampf weniger zerwühlt. Dort oben stand der neue Sitz, den sie ihm bereitet hatten, jenseits des Bruchrands, jenseits des Schachts. Leicht wirkte er nicht, als hinter ihm Bewegung einsetzte. Ketten zogen über Stein. Befehle der Hekatoncheiren. Kurze Rufe. Widerstand. Ein dumpfer Stoß. Einer der Titanen schrie auf. Zeus drehte sich nicht um. Das Geschehen hinter ihm folgte seinem Befehl.

    Gaia trat an seine Seite, nur einen Schritt, nicht mehr.

    „Sieh nicht zurück, um dich zu prüfen“, sagte sie. „Du hast entschieden. Nun lass die Höhe deinen Namen tragen.“

    Er ging los.

    Scharf stieg der erste Teil des Weges, und jeder Schritt zog an seinen Wunden. Das schwarze Werkstück blieb in seiner Hand. Unter ihm arbeiteten die Hekatoncheiren weiter. Der Klang der Ketten trug noch weit.

    Andere schlossen sich dem Aufstieg mit Abstand an. Locker, ohne zu drängen. Eine neue Ordnung formierte sich schon im Gehen. Einige seiner Geschwister waren darunter. Verbündete. Mächte, die künftig auf seine Stimme warten oder ihr widersprechen würden.

    Hera ging nicht neben ihm. Eine halbe Länge hinter seiner rechten Schulter hielt sie sich, nah genug, dass er ihre Schritte auf dem Stein hörte, wenn der Wind von unten den Hang entlangstrich. Einmal schwieg sie, hob nur die Hand, und zwei der Jüngeren, die zu weit aufrückten, nahmen sich zurück. Niemand überholte ihn.

    Links von ihm schritt Gaia, nicht stützend, nicht sanft. Wer zu ihnen aufsah, sah sie beide und verstand den Weg.

    Der Zug streckte sich über den Anstieg. Hinter den Göttern kamen die, die im Kampf auf seiner Seite gestanden hatten. Noch weiter unten zogen die Hekatoncheiren die Gefesselten weg vom Bruch, und das Geräusch riss nicht ab: Eisen auf Stein. Ein kurzer Aufruhr, dann ein Befehl, Schweigen. Dann wieder Ketten.

    Zeus stieg, ohne schneller zu werden. Der Weg nahm ihm den Atem. Blut war an seinem Arm getrocknet, neues trat an der Seite durch, wo Kronos ihn erwischt hatte. Der Schmerz schnitt klar. Er half ihm, nicht in den Lärm hinter sich zu fallen und nicht in die Höhe vor sich vorauszugehen.

    In seiner Hand lag der schwarze Splitter schwer und kalt. An einer Kante hatte sich fremdes Blut dunkel festgesetzt. Er rieb es nicht ab.

    Kronos’ Stimme trat noch einmal in ihm auf.

    Du weißt nicht, was dort ist.

    Nicht sofort hob Zeus den Blick. Unter seinen Füßen war fester Grund, über ihm freier Weg, hinter ihm Bewachung. Das war, was er wusste, während das andere unten offen blieb.

    Gaia sah auf seine Hand.

    „Nicht verbergen“, wies sie ihn an, laut genug, dass die Nächsten es mit anhörten.

    Er antwortete nicht.

    „Trag es sichtbar“, fuhr sie fort. „Nicht als Rest des Kampfes. Als Zeichen dessen, was du errungen hast und was du nun zu halten hast.“

    Jetzt sah Hera auf den Splitter. Ihr Blick haftete daran einen Moment, dann auf ihm.

    „Er wollte ihn mehr als dein Blut“, sagte sie.

    In der Hand drehte Zeus den Splitter, bis die dunkle Fläche oben lag. Er nahm ihn nicht an die Brust, nicht unter den Mantel. Er ließ ihn offen, und Gaia nickte knapp. Mehr verlangte sie nicht.

    Weiter oben wurde der Weg breiter. Der Fels trat zurück. Härter war der Wind hier, freier, und der Lärm von unten verlor sich nicht, er wurde nur dünner. Die Gefangenen waren nicht mehr einzeln zu unterscheiden. Nur dass sie da waren, trug der Klang.

    Der Kreis vor dem Sitz war bereits geräumt. Die frisch gelegten Steine lagen leer, die Fläche blieb vom Kampf unberührt. Es gab keinen Schmuck, der den Blick festhielt. Nur den Platz, den alle freigelassen hatten, und den Sitz, der auf ihn wartete.

    Der Zug verlangsamte sich von selbst.

    Ohne dass jemand es ansagte, zeigte es sich in den Körpern. Einer nach dem anderen trat zurück, Schritte hielten an, Stoff strich über Stein, während Waffen sanken. Stimmen verstummten. Selbst die, die ihm im Kampf am nächsten gewesen waren, traten aus dem leeren Kreis heraus und ließen ihn vor.

    Als Letzte hielt Hera an und sagte nichts. Ihr Gesicht war offen, erschöpft, wach. Sie sah ihn an, dann glitt ihr Blick über den leeren Kreis, zum Sitz, weiter hinunter an den Rand des Gipfels, wo der Wind ihre Haare anhob. Erst dort blieb sie stehen. Zwischen ihnen stand nichts mehr, was noch entschieden werden musste. Hier war nicht der Ort dafür. Jetzt nicht.

    Gaia ging noch zwei Schritte mit ihm und hielt dann ebenfalls an.

    „Bis hierher trug dich der Sieg“, sagte sie.

    Er blieb stehen.

    Sie wartete, bis die Stille um sie herum den Satz aufnahm.

    „Von hier an trägt dich nur, was du daraus machst.“

    Niemand widersprach ihr. Zeus stand vor dem Sitz, und niemand senkte den Blick.

    Er sah nicht sofort darauf. Über den Rand des Gipfels hinweg ging sein Blick in die Ferne, über Rücken von Bergen, über das Land, das unter dem klaren Licht hart und weit lag. Von hier oben wirkte nichts klein. Nicht der Weg, nicht die Wunden, nicht die Tiefe unter Othrys, nicht die Gefangenen, nicht die Aufgabe, die eben erst begonnen hatte.

    Es kam wieder, nicht vom Weg oder aus dem Kreis hinter ihm.

    Ein fernes Dringen, so tief, dass es erst im Stein ankam und dann im Körper. Kein einzelner Schlag, kein Ruf. Eher ein anhaltender Widerstand, der nicht aufhörte, obwohl er gebunden war.

    Zeus’ Finger schlossen sich fester um den Splitter.

    Niemand sprach.

    Er setzte den Fuß auf die erste Stufe zum Sitz.

    Unter ihm lief das Dringen noch einmal durch den Stein.

    Kronos’ letzter Satz stand offen in ihm.

    Du weißt nicht, was dort ist.

    Zeus stieg hinauf. Auf halber Höhe strich ein Windstoß über die freie Fläche und griff in die Reihen hinter ihm; Stoff schlug an Beine, jemand fing den Atem hörbar ab, weiter unten klirrte kurz eine Kette. Als er sich oben wandte, standen sie noch immer im Kreis, keiner regte sich. Einige hielten den Blick auf ihn gerichtet, andere auf den Splitter in seiner Hand, und aus der Tiefe kam weiter das dumpfe Dringen durch den Fels. Er setzte sich auf den neuen Thron des Olympos.

    In demselben Augenblick hob sich das ferne Dringen aus der Tiefe erneut, stärker diesmal, und weit unten, jenseits der Höhe, begann etwas gegen die neue Ordnung zu schlagen.

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