PANATHINAIA

    Alexia Michailidou · Band 1

    PANATHINAIA

    Κεφάλαιο 8 από 13

    Κεφάλαιο 8

    Der Becher am Ausgang

    Nach außen kippte die Steinplatte und schlug mit dumpfem Laut auf den Hang. Geröll sprang unter ihren Kanten weg. Schon war Kronos im Spalt, noch ehe einer der Männer hinter ihm wieder Luft holte.

    Sofort zwang der Fels ihn tief. Eine Schulter musste er vornehmen, den Kopf senken, den Arm dicht am Leib halten. Hinter ihm blieb das Tageslicht als schmale Öffnung stehen. Vor ihm lag nur schwarzer Stein. Scharf und gleichmäßig schnitt die Kühle durch den Gang. Sie kam ihm nicht von einem toten Ende entgegen, sondern strich hindurch, während er einen Herzschlag lang stehen blieb.

    Hinter ihm sagte niemand etwas. Draußen löste sich nur ein Stein und sprang über den Hang. Gaia atmete rau und unterdrückt. Rhea sagte nichts. Das Schweigen draußen drängte ihm in den Rücken.

    Kronos legte die Hand an den Fels und schob sich weiter. Uneben lag der Boden unter ihm, aber nicht naturroh. Stellenweise zeichneten Tritte ihn, geglättet von Füßen, nicht von Wasser. Der Spalt bog leicht. Er weitete sich um eine halbe Schulterbreite. Noch immer kam Luft, kalt und in Bewegung.

    Gaia hatte also nicht den Eingang eines Verstecks gedeckt. Einen Weg hatte sie gedeckt.

    Er ging schneller. Der Fels strich ihm am Rücken, am Ellbogen, an der Hüfte. Einmal blieb sein Gewand an einer Kante hängen; er riss es frei, ohne anzuhalten. Der Atem wurde lauter. Er hörte ihn selbst, hart und eng zwischen den Wänden. Dazu kam ein anderer Laut, erst sehr fern, dann deutlicher: ein Schritt, gleichmäßig und ohne Flucht.

    Wieder hielt Kronos an.

    Der Schritt kam ihm entgegen.

    In seinem Kopf stand mit einem Mal Rheas Stimme, nicht nur von eben, sondern vom Ufer, vom Stein in den Tüchern, von ihrem Blick, als sie ihm den Säugling verweigert hatte. Die andere Stimme folgte, nah und offen vor seinen Männern: dass er sein Kind suche, um es zu fressen. Das Wort stand jetzt ohne Scham da, brauchte keine Verkleidung mehr. Sie hatte es vor allen gesagt, während Gaia den Weg verborgen hatte. Rhea hatte Zeit gekauft. Beide hatten ein Kind fortgebracht und ihn bis hierher geführt.

    Er setzte sich wieder in Bewegung. Vor ihm zeichnete sich ein matteres Grau aus der Finsternis. Der Gang weitete sich genug, dass ein Mann aufrecht stehen konnte. Still ruhte der Hang auf der anderen Seite. Nur kalte Luft und dieser kleine offene Raum am Ausgang.

    Dort stand Zeus.

    Sofort erkannte Kronos ihn, und nicht an einem einzelnen Zug. Weder Stirn noch Mund oder Haltung allein verrieten ihn. Er erkannte ihn an dem, was in ihm selbst hochschlug, bevor sein Verstand es ordnete. Vor ihm stand weder ein Fremder noch ein Bote noch ein vorwitziger Jüngling, der sich zwischen ihn und eine Beute stellte. Das war der Sohn, der ihm nicht in den Bauch gegangen war. Der Sohn aus seinem eigenen Haus. Der, den Rhea ihm entzogen hatte. Der, den Gaia für diesen Augenblick bewahrt hatte.

    Zeus trug keinen Speer in der vorderen Hand. In seiner Hand lag ein Becher, auf den Kronos’ Blick sofort fiel.

    Dunkle Flüssigkeit schwappte darin, wenig, aber genug. Der Rand war feucht. Zeus hielt ihn ruhig, nicht verborgen, nicht zufällig, sondern so, dass Kronos ihn sehen musste.

    Da war der ganze Betrug vollständig.

    Weder der Stein noch die Flucht noch der verborgene Gang. Der Becher stand zwischen ihnen und machte aus allem einen Plan, der älter war als dieser Tag. Gaia hatte davon gesprochen. Rhea hatte daran festgehalten, obwohl sie von dem Sohn ferngehalten worden war. Und der Sohn selbst war ihm nicht entwischt. Er war hergekommen.

    Kronos ging den letzten Schritt aus der Enge heraus. Jetzt hatte er Raum, den Arm zu heben, die Schulter zu drehen. Seine Hand ging an die Waffe, noch bevor er sprach.

    „Du.“

    Zeus antwortete nicht sofort. Sein Blick ruhte fest auf ihm. Weder starr noch leer oder suchend. Er sah ihn an, wie ein Mann einen Mann ansah, den er ausgesucht hatte. In seinem Stand lag mehr als Drohung. Er nahm den Platz vor dem Ausgang nicht nur ein; er hielt ihn.

    Kronos lachte nicht. Es kam ihm nicht einmal in den Sinn. In ihm lief nur der Schlag der Erkenntnis weiter, hart und schnell. Das hier war nicht der Zufall eines gefundenen Ausgangs. Es war die Erfüllung dessen, was gegen ihn gestellt worden war, seit das erste Wort darüber gefallen war. Hier im Fels und durch den Sohn, den sein eigenes Haus gegen ihn aufgerichtet hatte.

    Er zog die Waffe vor, obwohl im engen Raum dafür kaum Platz war. Die Spitze schrammte am Stein. Schon war Zeus in Bewegung. Er wich nicht zurück. Er kam vor.

    Kronos riss den Arm höher, um Platz für den Stoß zu gewinnen, aber Zeus kam dicht heran, viel zu dicht für die Länge der Waffe. Der Becher schwappte, und ein Tropfen traf Kronos am Handrücken. Kalt. Zeus schlug den Schaft nicht weg; er

    Drängte in den Waffenarm hinein und nahm ihm den Raum, den er für den ersten Stoß gebraucht hätte.

    Fluchend fuhr Kronos mit der Schulter vor. Zurück in den Ausgang wollte er den Gegner stoßen, in die Enge, aus der er selbst eben gekommen war. Wenn der Jüngere dort festsaß, konnte er den Becher nicht führen und den Arm nicht hochbringen. Doch Zeus gab den Schritt nicht preis. Hart setzte er den Fuß auf, fing den Druck und brachte sofort sein eigenes Gewicht gegen Kronos.

    Zwischen ihnen blieb der Becher, und Kronos roch den Inhalt jetzt deutlich. Bitter. Scharf darunter etwas, das er kannte, ohne je davon getrunken zu haben. Von Gaia. Weder ihr Leib noch ihr Haar noch der Staub des Hangs. Ihre Hand in einer Sache, die vorbereitet worden war. Sie hatte den Becher nicht für Drohung oder Gebärde richten lassen. Er diente zum Trinken. Zum Erzwingen.

    Kronos ließ die Waffe arbeiten, so gut es ging. Er riss sie kurz zurück, wollte mit dem unteren Ende gegen Zeus’ Bein fahren, ihm den Stand brechen. Der Jüngere drehte die Hüfte zur Seite. Das Holz stieß gegen Stein. Im selben Augenblick schlug Zeus mit dem Unterarm gegen Kronos’ Brust und trieb ihn einen halben Schritt zurück.

    Viel Raum gab es nicht. Gerade genug aber, um den Becherrand aus den Augen zu verlieren und ihn im nächsten Moment wieder vor sich zu haben, näher als zuvor.

    Ohne zu antworten, schlug Kronos zu.

    Nicht mit der Spitze, denn dafür gab es keinen Weg. Er ließ die Waffe im Griff kippen und hieb mit dem Schaft quer gegen Zeus’ Schulter und den Hals. Das Holz traf. Zeus’ Kopf fuhr zur Seite. Der Becher schwappte über, und dunkle Flüssigkeit lief über seine Finger. Aber er wich nicht weit genug. Noch im Treffer griff er nach Kronos’ Handgelenk.

    Schnell und hart packte Kronos nach. An den Nacken des Jüngeren schoss seine linke Hand, drückte, wollte ihn nach unten reißen. Junges Fleisch unter seinen Fingern, Kraft, Gegenkraft. Er war kein Knabe mehr, kein verborgenes Kind, das sich forttragen ließ. Zeus stemmte sich hoch, rammte die Stirn gegen Kronos’ Gesicht. Kein sauberer Stoß, doch es reichte, sodass Kronos’ Zähne aufeinanderschlugen. Sein Griff lockerte sich.

    Die Waffe stand zwischen ihren Körpern und störte Kronos mehr, als sie ihm nützte. Zeus hielt sein Handgelenk gebunden und drückte weiter in den Arm hinein. Kronos versuchte, den Griff frei zu reißen, doch der Fels rechts und der Körper vor ihm nahmen ihm den Weg. Mit der freien Hand schlug er nach dem Becher. Zeus zog ihn eng an den eigenen Leib und drehte sich, sodass Kronos erst den Unterarm traf und dann den Becher nur streifte.

    Mehr Flüssigkeit schwappte heraus und spritzte über beide Hände.

    Wie wenig noch darin war, erkannte Kronos sofort. Gaia hatte den Becher nicht für einen langen Zug richten lassen. Es musste reichen, ihn zum Schlucken zu bringen: ein Rest, ein Mund voll, vielleicht weniger.

    Sofort tat er das. Das Holz fiel zwischen ihre Beine und schlug gegen den Stein. Im selben Zug fuhr seine Hand an Zeus’ Kehle. Seine Finger schlossen sich fest. Er drückte den Sohn rückwärts, Schritt um Schritt, bis Zeus mit der Schulter an den Fels stieß.

    Jetzt arbeitete Kronos mit seinem ganzen Leib. Er wollte ihn zerquetschen, den Arm mit dem Becher gegen den Stein pressen, ihm die Luft nehmen, bis die Finger aufgingen. Zeus’ Gesicht spannte sich, sein Atem ging stoßweise. Der Becher kippte gefährlich. Vor Kronos zitterten Rand und Rest darin, und er drückte noch härter.

    „Du zwingst mir nichts auf“, sagte er.

    Zeus brachte kein Wort heraus, während seine Hand am Fels Halt suchte. Die andere hielt den Becher noch immer, als von der Seite Bewegung kam.

    Nicht Gaia selbst trat zwischen sie. Aber unter einem schnellen Schritt knackte Stein, Stoff strich am Fels, und für den Bruchteil eines Herzschlags löste sich sein Blick von Zeus’ Gesicht. Es reichte. Zeus stieß die Hüfte vor, riss den Oberkörper zur Seite und brach aus dem Druck. Kronos’ Hand glitt von der Kehle zum Kinn. Der Becherarm war frei.

    Sofort griff Kronos danach, beide Hände jetzt ohne Waffe. Zeus bekam er am Unterarm zu fassen und schlug ihn gegen den Stein. Einmal. Beim Schlag fuhr Zeus der Schmerz sichtbar in den Arm; die Finger öffneten sich fast.

    Kronos packte den Becher, sodass sie ihn nun beide hielten. Der Rand grub sich in Kronos’ Daumen. Zeus’ Hand war nass, die seine ebenfalls. Der Be

    …cher rutschte zwischen ihren Fingern, drehte sich, fing sich wieder. Kronos zog ihn nicht an sich, sondern weg von seinem eigenen Gesicht. Alles andere war nachrangig; Zeus musste nur einen Augenblick Raum gewinnen. Mehr brauchte dieser Plan nicht.

    Er setzte das ganze Gewicht nach vorn und drückte den Sohn zurück in den engen Ausgang. Fels im Rücken, Fels an der Seite, kaum Stand. Genau deshalb hatte man ihn hier erwartet: nicht auf freiem Grund, nicht mit Platz für einen Hieb oder einen Sprung. Hier, wo eine Bewegung genügte, wo ein Schritt schon zu viel war.

    Zeus ließ den Becher nicht los.

    An der Anspannung im Handgelenk, an den weißen Knöcheln, an der Art, wie der Sohn den Griff eher brechen ließ, als ihn zu öffnen, sah Kronos es auf der Stelle. Es war keine Flucht und kein bloßer Widerstand. Vollzug, dachte Kronos sofort. Zeus rang nicht, um fortzukommen. Er rang, um ihn hier trinken zu lassen.

    Mit dem Kopf fuhr Kronos vor und traf Zeus an Stirn und Schläfe. Der Stoß erschütterte beide. Das Gesicht des Sohns zuckte, aber die Hand blieb am Becher. Daran riss Kronos, drehte das Gefäß hart nach außen, wollte die Finger verdrehen, das Handgelenk brechen, wenn es sein musste. Der Sohn keuchte jetzt offen, doch nicht aus Nachgeben. Er schob die Schulter unter Kronos’ Brust, senkte den Schwerpunkt und hielt dagegen.

    Der Rest im Becher schlug gegen den Rand.

    Das leise, nasse Geräusch hörte der Titan sofort, und ein kalter Zug lief ihm in den Nacken, nicht von der Luft des Gangs, sondern von der Gewissheit. Gaia. Ihr Wirken lag darin, in dem Geruch, in dem sorgsam Bereiteten, in diesem Ort. Sie hatte den Weg verborgen und den Ausgang gewählt. Rhea hatte Zeit gewonnen. Das Kind war fortgebracht worden. Und nun stand Zeus vor ihm, erwachsen, mit ihrem Mittel in der Hand. Für einen Schlag lang sah Kronos, was sie darin vielleicht gesucht hatten: kein leeres Ende, sondern eine Ordnung nach ihm, in der Erinnerung nicht im Verschlingen endete.

    Dem Zorn gab er keinen Raum, denn er half dem anderen. Er arbeitete kurz und hart. Sein linker Griff schoss von Zeus’ Unterarm hoch zum Daumen. Er setzte den Fingernagel in das Gelenk, drückte, bog zurück. Zeus’ Atem brach scharf aus ihm heraus. Der Becher senkte sich um einen Fingerbreit. Kronos wollte nachsetzen, tiefer hebeln, den Griff sprengen.

    Da ließ Zeus den Druck im Becherarm nach.

    Kaum merklich. Gerade genug, dass Kronos den Zug ins Leere führte.

    Im selben Augenblick kam die andere Hand hoch, nicht zum Gefäß und nicht gegen Kronos’ Brust. Direkt ins Gesicht.

    Der Handballen traf ihn an Mund und Nase, hart genug, dass der Kopf zurückging. Finger schoben sich seitlich an seinen Kiefer. Zeus drängte nicht mehr auf den Besitz des Gefäßes. Er suchte den Mund.

    In derselben Bewegung begriff Kronos es, und das Wissen fuhr ihm durch den Leib. Das hier war der eigentliche Angriff. Es ging nicht um Hand gegen Hand oder Kraft gegen Kraft am Becher. Kiefer, Lippen, Zähne. Ein einziger erzwungener Schluck, und der Rest würde sich gegen ihn wenden.

    Er fuhr Zeus mit der Stirn ins Gesicht. Diesmal traf er tiefer. Zeus’ Nase brach nicht, aber Blut trat sofort aus einem Nasenloch. Die Finger an Kronos’ Kiefer lockerten sich. Kronos riss den Kopf frei und schlug mit der Faust gegen Zeus’ Ohr. Der Sohn taumelte einen halben Schritt zur Seite, fing sich am Fels, hielt den Becher jedoch noch immer fest.

    „Gaia“, sagte Kronos, und das Wort kam tief und rau aus ihm heraus. Es war kein Ruf, nur eine Feststellung, während Blut ihm über die Lippe lief. „Natürlich.“

    Zeus antwortete nicht. Er wischte es nicht fort. Dann griff er wieder an.

    Auf den Arm ging Kronos. Mit beiden Händen packte er Zeus’ Handgelenk und Unterarm, drehte nach außen und hämmerte den Arm gegen die Felswand. Der erste Schlag ließ den Becher an den Stein stoßen. Beim zweiten hörte Kronos das dumpfe Krachen von Knochen oder hart getroffenem Gelenk. Als Zeus’ Gesicht leer wurde, öffneten sich die Finger endlich weiter.

    Der Becher sackte ab.

    Kronos riss ihn nach unten, wollte ihn aus der Reichweite schlagen, gegen den Boden, gegen den Fels, irgendwohin, wo kein Mund ihn mehr erreichte. Doch Zeus trat dazwischen, stellte das Bein ein, fing Kronos’ Handgelenk nicht mehr mit der verletzten Hand, sondern mit der gesunden. Er ließ den Schmerz im anderen Arm stehen und arbeitete nur noch mit Körper und Ziel.

    Die Schulter fuhr Kronos in die Brust. Beide stießen gegen den Felsgang, schlitterten an rauem Stein entlang. Kronos’ Ferse fand keinen festen Stand. Für den Bruchteil eines Schrittes hing sein Gewicht falsch.

    Das genügte Zeus wieder.

    Er schob sich unter den Arm des Vaters, drängte dicht heran, sodass Kronos ihn nicht frei schlagen konnte. Der Becher war zwischen ihren Körpern eingeklemmt. Kronos versuchte, den Sohn mit dem Ellenbogen im Nacken nach unten zu zwingen, aber Zeus duckte sich tief genug weg und kam

    Wieder hoch, hart an ihm, Stirn gegen Wange, Schulter in den Leib gedrückt.

    Den Ellenbogen bekam er nicht tief genug. Die Enge nahm ihm den Weg. Stein im Rücken, Stein an der Seite, Zeus vor ihm. Kein Raum für einen weiten Schlag, keinen Schritt zurück, keinen Winkel, in dem sich der Griff am Becher ganz lösen ließ. Alles, was blieb, war Druck gegen Druck und die eine Sache, die nicht geschehen durfte.

    Kurz und genau arbeitete Zeus’ gesunder Arm, immer wieder gegen den Unterarm des Titanen, gegen das Handgelenk, mit dem er den Becher nach unten hielt, nicht gegen Hals oder Augen. Der verletzte Arm hing nicht nutzlos. Zeus presste ihn mit dem Körper dazwischen, ließ selbst den beschädigten Knochen noch Gewicht werden, damit das Gefäß nicht frei kam und nicht fiel.

    Mit einem Tritt gegen das Schienbein brachte Kronos ihn zum Zucken, doch den Stand verlor Zeus nicht.

    Am Rand des Bechers sah Kronos die dunkle Feuchte.

    Mehr brauchte es nicht. Den Ort hatte Gaia gesetzt, den Weg, die Kälte, den Sohn mit diesem Ding am Ausgang. Sie hatte nicht gewollt, dass er hier tötete oder vertrieb. Gewollt hatte sie, dass er schluckte. Ein Rest an den Lippen, ein Rest auf der Zunge, vielleicht schon genug. Ihr Angriff ging auf den Mund, nicht auf Brust oder Hals.

    Kronos begriff den Wechsel im Griff.

    Den Kopf wegdrehend, riss Kronos das Kinn hinunter auf die Brust. Zeus’ Hand strich erst über die Wange ab, bekam nur Haut und Blut. Kronos fuhr mit der Schulter hoch, quetschte den Arm kurz zwischen ihre Körper und drückte nach. Für einen Atemzug glaubte er, den Sohn lösen zu können. Er war stärker. Ein einziger sauberer Ruck, und der Jüngere würde vom Übergang weggerissen, gegen den Stein, aus dem Winkel, aus dieser vorbereiteten Stelle.

    Den Widerstand gab Zeus nicht in gleicher Richtung zurück.

    Er ließ sich tiefer sinken, drehte unter Kronos’ Schulter durch und stellte den Fuß innen hinter Kronos’ Ferse. Wieder nur wenig. Wieder gerade genug. Kronos’ Stand brach nicht völlig, aber er musste Gewicht verlagern, und in diesem kleinen Zwang verlor seine eine Hand den harten Zug nach unten.

    Der Becher kam hoch.

    Zeus nahm den Schlag hin, verzog kaum das Gesicht und ging brutal geradeaus. Die Stirn drückte gegen Kronos’ Schläfe. Die Schulter trieb ihm die Luft aus dem Leib. Mit der gesunden Hand fing Zeus nicht mehr nach dem Handgelenk. Er schoss wieder zum Gesicht.

    Kronos fing den Unterarm ab, doch zu spät und nicht sauber. Die Finger glitten über Mund und Bart, fanden den Unterkiefer nur streifend. Kronos biss sofort zu, auf Fleisch, das ihm zwischen die Zähne kam. Mit einem scharfen Ausatmen zuckte Zeus jetzt wirklich. Der Arm riss zurück. Blut trat an Kronos’ Lippen, nicht nur sein eigenes.

    Er nutzte den Augenblick, warf den Kopf zur Seite, drückte mit beiden Händen gegen Zeus’ Brust und den verletzten Arm zugleich, sodass Zeus halb gegen den Fels prallte und der Becher wieder an Stein schlug. Ein trockener Ton. Kronos griff danach, bekam den Griff für einen Moment selbst in die Hand.

    Sofort stürzte Zeus sich darauf, direkt auf die Hand am Griff. Sein verletzter Arm versagte im Zug; das sah Kronos in dem kurzen Zucken, das durch Schulter und Kiefer ging. Aber Zeus wich nicht aus. Er ging mit dem ganzen Leib hinein, presste Kronos’ Unterarm zwischen ihre Körper, machte aus dem Schmerz nur Eile.

    Hoch hob Kronos den Becher, nicht zum Trinken, sondern um ihn über Zeus’ Rücken gegen den Fels zu schlagen. Wenn das Gefäß brach, war der Plan gebrochen. Mehr brauchte er nicht.

    Zeus sah es.

    Noch bevor Kronos den Arm ganz frei bekam, fuhr ihm Zeus’ Kopf vor und traf ihn unter dem Kinn. Die Z

    Zähne schlugen hart aufeinander. Klein und genau genug traf der Stoß, um den Schlagweg zu verderben. Kronos’ Kopf fuhr hoch, der Arm stockte, und statt gegen den Fels kam der Becher zwischen ihren Leibern nach unten, eingeklemmt zwischen Rippen, Unterarmen, Hüften.

    Dicht hielt Zeus sich an ihm, Stirn gegen Gesicht, Schulter in seiner Mitte, der verletzte Arm noch immer am Becher. Mit der anderen Hand suchte er wieder oben, weder nach den Augen noch an den Hals. Immer dorthin, wo die Lippen begannen.

    Kronos sah jetzt nichts Neues mehr; er sah nur bestätigt, was der ganze Kampf ihm bereits gesagt hatte. Die Erde hatte den Weg geöffnet. Den Ausgang hatte Gaia bestimmt. Den Sohn hatte Gaia mit diesem Gefäß an genau diese enge Stelle gebracht. Alles in diesem kleinen Raum diente nur einem Zweck: dass er trank.

    Den Gedanken ließ er nicht weiterlaufen; Denken war jetzt nur noch Ordnen. Die Stelle war der Rachen. Solange der Mund geschlossen blieb, blieb der Plan unvollzogen. Alles andere war Lärm.

    Zeus hielt nicht nur gegen ihn. Hinter dem Becher stand mehr als dieser Stoß, mehr als der Sturz des Alten: eine Ordnung, in der nicht jedes Band im Würgen endete, in der Erinnerung nicht nur aus verschlossenen Mündern bestand.

    Im selben Augenblick merkte Zeus es. Er hörte auf, den Becher aus der Verklammerung zu ziehen. In dem Wechsel der Gewichte lag die Entscheidung. Der Zug am Gefäß ließ nach. Die freie Hand kam endlich ganz hoch und blieb.

    Die Hand legte sich an sein Gesicht.

    Ruhig und sicher schloss sie sich darum. Der Daumen drückte sich unter den einen Jochbogen, die Finger hakten hinter den Kieferast. Zeus suchte nicht mehr den Zufall zwischen Lippen und Bart. Er nahm den Kopf selbst in Arbeit.

    In demselben harten Augenblick begriff Kronos es. Solange er mit allem auf Kieferlinie und Becherarm gelegen hatte, war der Zugang gesperrt gewesen. Jetzt musste er gegen die Hand an seinem Gesicht arbeiten. Und in dem Maß, in dem er den Kiefer schützte, entglitt ihm das Gefäß.

    Gaia, dachte er, nicht in Staunen, sondern in Bestätigung. Gaia hatte nicht nur das Mittel gereicht. Den Ort hatte sie auch so eng gewählt, dass jeder Schutz gegen den Mund den Schutz gegen den Becher schwächte. Es gab weder einen Schritt zurück noch einen weiteren Schlag. Kein Ausweichen. Nur die Entscheidung, welche Seite zuerst brach.

    Dennoch entschied er sich für den Mund.

    Mit aller Kraft zog er das Kinn hinab, biss die Zähne aufeinander, spannte

    Hals und Wangen gegen die Hand, die ihn nach oben und zur Seite zwingen wollte. Alles ging in diese eine Verweigerung. Weder der Stoß gegen die Rippen noch die Schulter gegen Zeus’ Brust noch der Arm um den Becher änderten daran etwas; der Mund blieb zu.

    Sofort antwortete Zeus. Er nahm den Druck nicht weg, sondern verlagerte ihn. Der Daumen grub sich tiefer in die eine Seite des Gesichts, die Finger arbeiteten unter den Unterkiefer und zogen nicht nur, sie drehten. Kronos spürte die Arbeit im Gelenk. Sie lief vor das Ohr, in die Schläfe, in den Hals hinab. Sein Kopf sollte nicht einfach zurück, sondern schief, aus der geraden Linie, aus der Kraft.

    Der Becherarm zog hoch.

    Kronos fuhr mit der Schulter dazwischen, zu spät und nicht weit genug. Der Rand strich hart über Bart und Haut und blieb an der geschlossenen Mundlinie hängen. Ein dunkler Schwall schwappte gegen sein Kinn und den Hals hinab. Der Geruch stieg ihm unmittelbar in die Nase, scharf und fremd. Es war weder Wein noch Wasser. Gaia.

    Wut schoss durch ihn, so rein, dass für einen Atemzug nichts anderes blieb. Gaia hatte den Gang geglättet und den Ausgang gewählt. Gaia hatte Zeus mit diesem Becher hingestellt. Selbst hier noch, wo nur noch Fleisch gegen Fleisch arbeitete, lag ihre Hand in dem, was geschah. Unsichtbar und nicht schwach. Im Stein, in der Enge, in der Linie dieses Gefäßes gegen seinen Mund. Für Zeus stand darin mehr als der Sturz des Alten: ein Ausgang, der offenblieb, eine Ordnung ohne diesen Griff.

    Er ließ den Becherarm für den Bruchteil eines Augenblicks los.

    Er tat es nicht aus Aufgabe, sondern für den Schlag.

    Die freie Kraft warf er mit dem Unterarm zwischen sich und Zeus’ Hals. Hart und dicht, von unten nach oben. Zeus’ Kopf fuhr zurück gegen den Fels, trocken und kurz. Der Griff am Kiefer lockerte sich einen Fingerbreit. Kronos riss den Kopf sofort zur anderen Seite, wollte aus der Hand gleiten, wollte den Becher ganz aus der Linie bringen, wenigstens wieder die Brust dazwischenbekommen.

    Doch wieder stand der Stein dort, wo Raum hätte sein müssen. Die Drehung brach an der Wand ab. Sein Hinterkopf, seine Schulter, der obere Arm fanden keinen Weg. Er kam nur halb herum, und halb war nichts.

    Kronos warf beide Hände zum Becherarm zurück. Jetzt war es nur noch dies. Er bekam das Handgelenk zu fassen, nicht sauber, mehr Haut als Griff, aber genug, um den Zug zu stören. Die Unterarme verkeilten sich zwischen ihren Körpern. Der Rand des Bechers schlug wieder gegen seine Lippen, seitlich diesmal, gegen den einen Mundwinkel. Flüssigkeit quoll heraus und lief über die Haut. Noch nichts drang ein. Er drückte die Zähne fester aufeinander, bis Schmerz durch den Kiefer fuhr.

    Zeus arbeitete genau dort weiter.

    Nicht auf die Stirn, nicht an den Hals, nicht an die Brust. Immer wieder auf den Kiefer. Kronos spürte es in jedem Finger, der den fremden Arm festhalten wollte, und in jedem Zahn, den er auf den anderen presste. Zeus suchte nicht mehr Kraft im Ganzen. Er suchte die eine Stelle, an der Verschluss in Öffnung übergehen konnte. Der Daumen drückte tiefer in die Wange. Die Finger unter dem Kiefer hoben und drehten. Zugleich schob die andere Hand den Becher mit einer knappen, beharrlichen Bewegung nach.

    Kronos versuchte, den Mundwinkel aus der Linie zu ziehen. Der Fels nahm ihm die Schulter. Er stemmte den Rücken dagegen, wollte den Oberkörper querstellen, wollte den Kopf nach unten werfen. Wieder fing die Hand am Kiefer ihn ab, nicht vollständig, nur weit genug. Gerade weit genug.

    Der Rand fraß sich seitlich zwischen Lippenfleisch und Zahnreihe. Schmerz zuckte durch den Mundwinkel. Kronos stieß den Atem hart durch die Nase aus. Er drückte zu. Er hielt zu. Doch der Griff von außen stand schon dort, wo der Verschluss nicht aus Knochen bestand: ein schmaler Eintritt, nicht mehr als das.

    Flüssigkeit traf die Innenseite seiner Lippen.

    Kronos riss mit einem Laut im Hals nach hinten. Zu spät. Es war kaum ein Schluck, kaum mehr als das, was mit dem nächsten Atemzug und der Abwehr selbst nach innen geriet. Aber es war innen, scharf und bitter. Schwer. Weder Wein noch Wasser. Kein Gift für Schlaf oder Schwäche. In diesem einen Augenblick wusste er es mit einer Klarheit, die ihm den Leib kälter machte als der Stein in seinem Rücken. Gaia hatte nichts bereitet, um ihn zu benebeln. Nichts, um ihn zu fällen und liegen zu lassen. Sie hatte etwas bereitet, das seinen Leib öffnete.

    Tief unter Brust und Magen zog sich etwas zusammen, ohne seine Führung, ohne seinen Befehl. Ein harter Ruck, weit innen. Einen Schlag lang erstarrte Kronos. Sein Leib antwortete auf das, was in ihn geraten war. Nicht oben, sondern dort, wo er mit Zähnen und Kiefer nichts mehr halten konnte. Tiefer. Dort, wo sein Verschluss immer ohne Frage gegolten hatte.

    Er keuchte einmal durch die Nase und biss noch härter zu, obwohl es schon nichts mehr zu halten gab außer dem Rest seiner Ordnung. Als der Zug wiederkam, stärker, spannte er Bauch und Brust dagegen an. Es half nicht. Die Spannung lief ihm entgegen, stieg auf, fremd und doch aus ihm selbst. Weder ein Stoß von außen noch ein Griff von Zeus. Es kam aus seinem Inneren nach oben.

    Gaia hatte gegen sein Verschlingen selbst gearbeitet. Gegen das, worauf seine Macht beruhte. Gegen den geschlossenen Weg, den niemand gegen ihn hatte öffnen können.

    Zeus merkte den Wechsel. Kronos sah es nicht an einem Blick zuerst, sondern an den Händen. Sofort wurde der Griff am Kiefer noch entschiedener, sicher. Der Becher wich nicht zurück. Er kam wieder an den Mund, seitlich, tief in den bereits verletzten Winkel gedrückt.

    Ein dumpfer Laut brach ihm aus der geschlossenen Mundlinie.

    Zeus nutzte ihn, schob den Becherrand nach, nur wenig. Ein Fingerbreit reichte. Wieder lief Flüssigkeit hinein, diesmal nicht nur an die Lippen. Kronos schmeckte sie deutlicher, und im selben Augenblick zog sich sein Leib so hart zusammen, dass ihm der Atem stockte. Die Hand am Becherarm verlor für einen Herzschlag Kraft. Nicht weil Zeus sie nahm. Weil unten etwas aufriss, was fest hatte bleiben sollen.

    Er stieß Zeus mit der Schulter in den Fels und zerrte an dessen Handgelenk, so brutal, dass Gelenk oder Griff hätten nachgeben müssen. Zeus gab nur den Winkel nach, nicht den Zugriff. Der Daumen drückte Kronos’ Wange noch weiter ein. Die Finger unter dem Kiefer hielten dagegen.

    Am Ausgang des verborgenen Gangs blieb nichts mehr von Suche und Weg. Im engen Felsraum wurde alles zum Zwang. Der Kampf wechselte den Ort und mit ihm seine Art: Es drehte sich nicht mehr darum, wer wen zurücktrieb, sondern ob Kronos den eigenen Leib noch geschlossen hielt.

    Unter seinem Kiefer arbeiteten die Finger weiter. Zeus setzte nicht auf rohe Hast. Seitlich setzte er den Zug an, hart und genau, dort, wo Schmerz die Zähne nicht stärker machte. Kronos riss an seinem Handgelenk, trat gegen den Stein, stemmte Schulter und Rücken in die Enge, aber jeder Versuch, den Mund zu schützen, nahm ihm Kraft aus Armen und Rumpf. Der Becher blieb an ihm. Sein Rand schnitt in den offenen Mundwinkel, auf aufgerissenes Fleisch, in den nassen Spalt zwischen Lippe und Zahn, während dunkle Flüssigkeit wieder hineinlief.

    Kronos wollte sie ausstoßen. Sein Hals tat das Gegenteil.

    Ein Schluck brach aus ihm heraus, klein, unfrei, aber vollständig. Bis tief hinab spürte er ihn, bitter auf der Zunge und scharf im Rachen. Der Trank ging in ihn ein und fand dort sofort etwas, das auf ihn gewartet hatte, ohne dass er es je gewollt hätte. Gegen Zeus fuhr Kronos hoch, mit einem Laut, der im geschlossenen Raum stumpf zurückkam. Mit Schulter und Brust traf er ihn, drängte ihn einen halben Schritt zurück, genug, dass der Becher am Zahn anschlug und Schmerz durch den Kiefer fuhr. Zeus ließ nicht los, und da sah Kronos es ganz. Gaia. Der verborgene Weg im Fels. Die geglätteten Tritte. Der enge Ausgang. Das Gefäß. Der Sohn, der nicht mit einer Klinge zuerst gekommen war. Es griff ineinander. Sie hatte keinen Ort für einen Hinterhalt gebaut. Sie hatte einen Ort gewählt, an dem sein Mund zur Schwachstelle wurde. Wo er mit jeder Abwehr gegen das Gefäß den Rest seines Körpers preisgab.

    Eine Hand riss er von Zeus’ Arm weg und schlug nach dessen Gesicht. Die Bewegung blieb kurz, zu kurz für Wucht. Knöchel streiften Wange und Ohr. Zeus duckte den Kopf nicht einmal ganz. Er nahm den Treffer und setzte den Becher neu an. Kronos’ freie Hand fand stattdessen den Rand, schob ihn weg, aber wieder kam der Zug aus seinem Inneren, härter und tiefer. Sein Bauch spannte sich gegen seinen Willen. Unter dem Brustbein hob sich etwas in eine Richtung, die er nie zugelassen hatte.

    Sein Mund stand fast ganz geschlossen. Fast.

    Im nächsten Zug seines Halses öffnete sich innen, was außen noch feststand. Flüssigkeit sickerte nicht mehr nur hinein. Sie wurde angenommen. Kronos würgte daran, versuchte sie zurückzudrängen, und in demselben Versuch schluckte er erneut. Ohne Irrtum traf ihn das Wissen. Gaia hatte nichts zum Töten gegeben. Nichts für die Glieder, nichts für den Kopf. Sie hatte gegen sein Verschlingen selbst gearbeitet.

    Wut schoss durch ihn, so scharf, dass sie für einen Augenblick stärker war als der Schmerz. Den Becher ließ er los und griff mit beiden Händen nach Zeus. Eine Hand fuhr an den Hals, die andere unter die Rippen, suchte Hebel, Druck, Zerreißen. Er drückte ihn in den Fels, presste den Unterarm gegen die Kehle. Zeus’ Atem geriet hörbar. Der Griff am Kiefer lockerte sich einen Schlag lang. Sofort nutzte Kronos ihn, zog den Kopf weg, spuckte dunkel und zäh auf den Boden und gegen den Stein.

    Das genügte nicht.

    So jäh kam der Krampf, dass seine Hände ihre Kraft verloren, noch ehe sein Wille begriff, warum. Sichtbar krümmte er sich kaum; der Raum ließ wenig zu. Aber innen riss es an einer Ordnung, die nie nachgegeben hatte. Die Kehle zog sich zusammen, hob statt abzuwehren. Fast griff Kronos sich selbst an die Brust, fing die Regung nirgends. Sein Atem brach. Zwischen den festgedrückten Zähnen drang ein heiserer Laut heraus.

    Sofort war Zeus wieder da. Er drehte Kronos’ Kopf schräg, fing den Kiefer von unten und seitlich, drückte ihn gegen den Stein, sodass die Schläfe anlag und der Mundwinkel offenblieb. Der Becher kam zurück, ohne Hast, ohne Zögern. Ein kurzer Stoß, dann lag der Rand wieder im verletzten Winkel.

    „Trink“, sagte Zeus.

    Nur das Wort, ohne Fluch und ohne Anstrengung im Ton. Gerade das machte es schlimmer, als Kronos ihn anstarrte. Er sah kein Schwanken. Keinen Sohn, der noch geprüft werden musste. Zeus hielt ihn nicht mehr nur nieder. Er vollstreckte etwas. Gaia hatte es bereitet, aber dieser hier führte es aus. Kaum war der Gedanke gefasst, drückte der Becher erneut. Flüssigkeit lief über Kronos’ Zunge. Hart presste er den Mund zusammen, bis Schmerz ins Ohr fuhr. Der eigene Leib zwang ihn wieder nach innen. Ein weiterer Schluck rann hinab. Zeus spürte, wie Kronos unter seinen Händen anders stockte, nicht nur im Widerstand. Hinter dem Würgen arbeitete etwas herauf. Für einen Schlag sah er im erzwungenen Schlucken nicht bloß Unterwerfung, sondern den Bruch des alten Verschlusses. Was herauskam, würde nicht im Felsraum bleiben.

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