Capítulo 11
Feuer am Schachtrand
Staub hing im aufgebrochenen Schacht und schmeckte nach Erz.
Nicht mehr im engen Ringen am Rand des Tartaros stand Zeus nur einem Gegner gegenüber. Im selben aufgebrochenen Schacht, im selben offenen Zugang, hatte der Ort seinen Zustand gewechselt. Aus der geborstenen Schließung war eine Schwelle geworden. Aus Gefangenen wurden Männer, die vortraten. Aus einem Kampf im Stein wurde der Anfang eines Krieges.
Der schwarze Splitter stand fest in seinem aufgerissenen Sitz.
Ihn musterte Kronos, dann den Kyklopen vor Zeus, dann die vielen Arme, die sich im offenen Gang übereinander schoben und die letzten Eisenreste von Leib und Wand rissen. Staub lag auf seinem Gesicht. Eine rote Spur lief von der Hand, aus der ihm die Sichel gerissen worden war. Er hob die leere Faust, als könne derselbe Griff noch gelten.
„Zurück“, befahl er. „An euren Platz.“
Niemand ging.
Hinter dem ersten Kyklopen sprang ein Ring aus dem Stein und fiel scheppernd zu Boden. Zwei der Hekatoncheiren traten darüber hinweg, drei weitere griffen in die Wand und rissen einen verankerten Bügel heraus, der noch halb in altem Erz hing. Einer der Befreiten stieß das Stück mit dem Fuß in die Tiefe.
Einige schwankten noch, als sie den offenen Rand erreichten. Auf wunden Handgelenken glänzte aufgerissene Haut. Einer der Kyklopen legte die Hand an den Fels, als müsse er erst prüfen, ob der Raum wirklich offen blieb; ein Hekatoncheir hob den Kopf in den Zug der Tiefe und atmete wie einer, der zum ersten Mal nicht gegen einen Verschluss rang. Zeus sah sie an, nicht wie neue Reihen für einen Kampf, sondern wie Gerettete, die eben erst aus Eisen getreten waren.
Härter wurde Kronos’ Stimme. „Ihr steht im Berg des Othrys. Ihr steht unter meiner Ordnung.“
Der Kyklop vor Zeus wandte den Kopf nicht zu ihm zurück. Sein eines Auge blieb auf Kronos gerichtet. Er sprach tief und knapp.
„Nicht mehr.“
Kronos machte einen Schritt vor. Sofort kamen ihm acht Arme entgegen und hielten nicht ihn fest, sondern besetzten die Schwelle. Hinter ihnen drängten weitere Leiber aus dem Gang. In ihnen lag kein Zögern. Kein Blick suchte Erlaubnis.
Aus den Gesichtern der Befreiten war der Gehorsam gewichen, offen und ohne Zögern auch nur für einen Augenblick.
Kronos’ Blick fuhr zu Zeus. „Du willst sie an meine Stelle ketten.“
Ohne Eile antwortete Zeus. „Nein.“
Ein kurzes Schweigen stand zwischen den Stimmen und dem Lärm des brechenden Gesteins.
Zeus sagte: „Wer hier herausgetreten ist, geht nicht zurück in Eisen. Nicht für mich und für keinen Verschluss. Freiheit zuerst. Dann Bündnis. Wer gegen Kronos stehen will, steht mit mir. Wer seinen eigenen Weg nimmt, geht frei.“
Die Hekatoncheiren hielten den Durchgang weiter mit ihren Körpern. Einer lachte kurz, rau und ohne Freundlichkeit. Ein anderer riss die letzten Kettenreste von beiden Handgelenken und ließ sie fallen. Der erste Kyklop senkte den Blick auf den schwarzen Splitter im Stein.
„Gut gesprochen“, erwiderte er. „Wenn du es hältst.“
Auch Zeus blickte auf den Splitter. Die dunklen Linien liefen von ihm aus in die gesprungene Setzung, durch den Boden, in die Reste der alten Tragringe. Noch arbeiteten sie im Stein. Noch fraßen sie Metall an. Hitze saß darin, aber nicht die eines Feuers, das verzehrte. Es zwang, es drückte, es veränderte.
Der Blick des Kyklopen blieb auf dem Zeichen im Stein, und Zeus begriff, dass es nicht nur den Bruch hielt. Es nahm ihnen die Öffnung ab und legte sie ihnen auf. Solange der Splitter dort stand, blieb die Bresche nicht bloß ein Loch im Berg, sondern eine Forderung.
Kronos folgte seinem Blick und stieß das Wort fast aus. „Dann nimm ihn endlich heraus.“
Der Kyklop fuhr herum. Zum ersten Mal lag offener Widerspruch in seiner Stimme.
„Nein.“
Kronos schwieg einen Schlag lang.
Der Kyklop trat an den aufgerissenen Sitz heran, kniete nicht, beugte sich nur und legte zwei Finger an den gebrochenen Stein, nicht an den Splitter selbst. Er prüfte die Ränder, das alte Erz, die schwarzen Linien.
„Das ist das Herz des gebrochenen Verschlusses“, erklärte er. „Solange die Öffnung offen steht, bleibt er, wo er ist. Wer ihn jetzt aus dem Stein reißt, arbeitet gegen den Bruch, nicht mit ihm.“
Ein weiterer Kyklop kam neben ihn, schwer atmend, mit noch eingerissener Fessel um die Hüfte. Vor ihm lag der Splitter, und er schüttelte den Kopf.
„Nicht aus Othrys“, warnte er. „Nicht aus gewöhnlichem Bett. Das trägt man nicht blind in der Hand.“
Zeus hörte die Sätze und nahm sie an, ohne zu fragen, woher ihr Wissen kam. Da sie mehr vom Stoff verstanden als er, genügte das.
Er sah über die Befreiten hinweg, auf die offene Tiefe hinter ihnen und auf den Schacht, der nicht mehr nur Flucht bedeutete. Wer hier herauskam, brauchte mehr als einen freien Schritt; die Bresche musste gehalten werden, sonst fraß der Berg sie wieder. Aus der Befreiung wuchs die Pflicht zum Schutz.
„Wenn er nicht hier heraus soll“, fragte Zeus, „wofür dann?“
Der erste Kyklop richtete sich auf. Blut trocknete an seinem Arm. „Für eine Waffe.“
Kronos lachte hart. „Mit einem Stein wollt ihr gegen den Berg ziehen?“
„Nicht mit einem Stein“, entgegnete der Kyklop. „Mit dem, was daraus wird.“
Zeus hob den Blick zu ihm. „Kannst du es machen?“
„Wir“, entgegnete der Kyklop. Er hob das Kinn zu den anderen. „Wenn Feuer da ist. Wenn Platz da ist. Wenn niemand uns wieder schließt.“
„Dann bekommt ihr beides“, versprach Zeus.
Kronos trat zurück. Diesmal nicht nur einen halben Schritt aus dem Drang des Kampfes, sondern weiter. Sein Blick maß die Befreiten, Zeus, den offenen Schacht, den verlorenen Zugang. Er suchte irgendwo einen Rest von Befehl, der noch greifen mochte.
„Kinder des Hauses“, rief er in den Fels hinein, laut genug, dass die Stimme den aufgebrochenen Rand hinauflief. „Zum Othrys“
„Zum Othrys. Sammelt die Euren; wer Ordnung will, kommt zu mir.“
Niemand am Schacht rührte sich.
Breit im offenen Zugang standen die Hekatoncheiren, noch mit Eisen an Armen und Schultern, noch rot von Druckstellen und aufgescheuerter Haut. Einer hielt die Hände dicht an der Brust, als müsse er erst lernen, dass keine Kette sie mehr zurückriss. Ein anderer setzte den Fuß an den Rand des offenen Schachts und zog ihn wieder zurück, blinzelnd in die Weite. Näher am geborstenen Stein hielten sich die Kyklopen. Einer hatte die Hand auf den Rand der Setzung gelegt, nicht auf den Splitter selbst. Ein anderer hob nur kurz den Kopf zu Kronos, ohne zu antworten.
Kronos wartete einen Schlag lang. Dann noch einen.
Zeus sah, wie sich in seinem Gesicht etwas schloss. Es war Zorn und Rechnung. Er nahm Maß an dem, was er verloren hatte, und an dem, was er noch sammeln konnte. Sein Blick glitt über Gaia hinweg, streifte den Sohn und blieb an dem offenen Zugang hängen, an den dunklen Linien im Stein, an dem halb gelösten Ring, der aus dem Fels ragte.
„Dann bleibt bei eurem Bruch“, stieß er aus.
Er drehte sich vom Schacht fort und stieg den Rand hinauf, ohne Eile, ohne sich noch einmal umzusehen.
Keiner hielt ihn auf, auch Zeus nicht, da der Othrys Drohung genug war.
Als Kronos aus dem unmittelbaren Blick geriet, schob sich Gaia vor. Ohne die Stimme zu heben, sprach sie in den offenen Schacht, und der Ort nahm ihre Worte an.
„Hier.“
Mehr sprach sie zuerst nicht. Sie legte die Hand auf den gebrochenen Verschluss, dorthin, wo der Stein aufgerissen war und die dunklen Linien aus der Setzung liefen. Dann hob sie die Hand und wies auf den offenen Rand, auf den Schacht, auf den Splitter im Fels.
„Hier bleibt er“, entschied sie. „Hier wird gearbeitet. Nah an der Wunde, hier am Rand des Tartaros, nicht unter seinem Berg.“
Prüfend blickten die Kyklopen zu ihr.
Als Erster trat der, der gesprochen hatte, einen Schritt näher. „Der Stein hält?“
„Solange er sitzt“, antwortete Gaia.
„Und wenn wir Feuer darunter legen?“
„Ihr legt es an den Bruch, nicht an die Setzung.“
Langsam nickte der Kyklop. Weiter fragte er nicht; offenbar genügte ihm die Antwort.
Zu den Befreiten wandte sich Zeus. Er sah die roten Striemen an ihren Gelenken, das Wanken der ersten freien Schritte, die vorsichtigen Blicke über den offenen Rand. Sie standen nicht nur bereit. Sie waren eben erst aus dem Eisen getreten.
„Ihr habt es gehört.“
„Gehört“, erwiderte einer der Hekatoncheiren. Seine Stimme kam tief und rau aus einem Hals, der lange wenig gebraucht worden war. Er hob drei freie Hände und riss mit zwei anderen den Rest einer Kette von seinem Leib. Das Eisen schlug gegen den Stein und blieb dort liegen.
Aus dem Zugang trat ein anderer Hekatoncheir und blickte über den Rand in die Dunkelheit hinunter. „Wenn sie vom Othrys kommen, kommen sie nicht einzeln.“
„Dann stehen wir ihnen nicht einzeln entgegen“, gab Zeus zurück.
Ein Kyklop schnaubte kurz, ehe er meinte: „Stehen genügt nicht. Feuer. Erz. Raum. Wasser zum Kühlen. Werkzeuge. Und Schutz, solange wir arbeiten.“
„Ihr bekommt Schutz“, versprach Zeus.
„Von wem?“, fragte der Kyklop sofort.
Er deutete auf die Hekatoncheiren, auf die geöffnete Schwelle, auf den schmalen Weg, der vom Rand wegführte. „Von allen, die nicht wieder in Eisen gehen.“
Der erste Kyklop hob den Blick. „Und das Erz?“
Zeus schwieg einen Augenblick, weil er von diesem Stoff nicht genug hier hatte.
Gaia musterte ihn. „Im Rücken dieses Randes liegt es. Tief, aber nah genug. Weder sauber noch leicht. Gut genug.“
Einer der Hekatoncheiren lachte kurz und trocken. „Tief und nicht leicht. Endlich etwas Vertrautes.“
„Dann holt es“, forderte Zeus.
Der Hekatoncheir zog die Schultern zurück. „Wir holen es. Aber wenn die Titanen vor uns hier sind, schmiedet niemand.“
„Sie werden nicht vor euch hier sein“, erklärte Zeus.
Diesmal war es kein Versprechen an Kronos. Es war eine Setzung an die Seinen, an die eben Befreiten am Rand des Schachts. Die Worte standen zwischen ihnen und warteten, ob jemand sie annahm.
Der erste Kyklop tat es auf seine Weise. „Dann verschwende unsere Zeit nicht.“
Er begann, Befehle an die anderen zu geben, nicht an Zeus gerichtet, sondern in die Arbeit hinein. Zwei sollten den Rand freiräumen. Einer sollte lose Ringstücke aus dem Stein schlagen. Einer sollte prüfen, wo die dunklen Linien ausliefen und wo man Material nehmen konnte, ohne die Setzung zu lösen. Die anderen sammelten zerbrochenes Eisen, Kettenglieder, abgerissene Spannringe.
Nicht alle setzten sich gleich schnell in Bewegung. Einer der Hekatoncheiren rieb erst über die offenen Handgelenke, bevor er sich bückte. Ein anderer blieb einen Atemzug lang am Rand stehen, als prüfe er den freien Raum vor sich. Erst dann griffen sie zu.
Wo ein Mensch für ein Stück Eisen beide Arme gebraucht hätte, hoben sie mit mehreren Händen zugleich, zerrten, lösten verkeilte Lasten aus dem Fels. Ein freier Streifen entstand um den Splitter und den gebrochenen Verschluss. Der Platz wurde nicht groß, aber brauchbar.
Zeus ging an den Rand des freigeräumten Kreises und blieb dort stehen. Er war dem Stein nah genug, um die dunkle Linie zu sehen, die von der Setzung in das geborstene Material lief. Nah genug auch, um zu
Spüren, wie der Boden noch arbeitete.
Unter seinen Füßen saß die Erschütterung tief im Stein, nicht mehr stark genug, dass der Rand nachgab. Aber vorhanden. Der letzte Halt war gesprungen, und der Schacht stand offen. Von unten kam kalte Luft herauf. Sie strich über den freigeräumten Kreis, durch Eisenreste, Staub und den Geruch gebrochenen Gesteins.
Hinter ihm trugen Hekatoncheiren bereits die ersten Brocken Erz heran. Das Material war stumpf, schwer und noch mit Stein verwachsen. Sie warfen es nicht achtlos ab. Sie legten es dort nieder, wo die Kyklopen hinwiesen. Einer der Einäugigen kniete am Bruch und fuhr mit der Hand über die dunklen Linien, die von der Setzung in den geborstenen Rand liefen. Er prüfte nicht die Öffnung. Er prüfte den Bruch.
Am Rand des Kreises standen die Befreiten, noch nicht alle fest auf den Beinen. Einer hielt die Hände dicht vor den Leib, die Haut um die Handgelenke roh und dunkel vom Eisen. Eine andere blinzelte in die offene Tiefe, als müsse sie erst begreifen, dass über ihr kein Deckstein mehr lag. Nicht jeder griff sofort nach Werkzeug oder Waffe. Einige atmeten nur, schmal und hastig, und sahen zum Schacht, zum Feuerplatz, zu Zeus. Er sah keine neue Reihe Kämpfer. Er sah Gerettete, die noch standen, obwohl der Stein sie lange genug hatte brechen sollen.
„Hier“, sagte er knapp und schlug mit einem Eisenstück gegen den Boden. „Nicht näher.“
Ein zweiter Kyklop deutete auf eine flache Stelle am Rand des freigeräumten Kreises. „Feuer dort.“
Zeus blickte hin. Es war weit genug vom Sitz der Setzung entfernt, am gebrochenen Rand und nicht an dem Teil, der den Schacht hielt.
Gaia sagte nichts. Sie musste es nicht.
„Macht es“, befahl Zeus.
Ringförmig schichteten die Hekatoncheiren Stein und altes Eisen. Zerschlagene Spannringe wurden zu einer flachen Einfassung gedrückt. Einer der Kyklopen sammelte trockenes Material aus Karrenresten, Schaftstücken, geborstenen Griffen. Ein anderer verlangte Wasser, und sofort liefen zwei Hekatoncheiren mit steinernen Mulden zum tieferen Fels, wo sich in Rissen Nässe gesammelt hatte. Es war wenig. Es musste reichen, bis mehr kam.
Bald lagen Werkzeuge in Reihen: verbogene Hämmer, Keile, Eisenstangen, Bruchstücke von Zangen, Kettenglieder, die man umwickeln und greifen konnte. Nichts davon war gut. Alles davon war brauchbar.
Der erste Kyklop richtete sich auf und sah Zeus an. „Schutz.“
Zeus wandte den Kopf nach Westen.
Dort, wo der Weg vom Othrys herabkam, war der Rand zunächst leer. Zwischen den Steinen bewegte sich etwas, nicht ein einzelner Läufer, sondern mehrere. Geordnet. Schilde gab es hier nicht, aber sie kamen in geschlossener Front, mit Hebestangen, Haken und langen Speeren aus hartem Holz mit Metallspitzen. Titanen, nicht viele, aber genug.
Ein Hekatoncheir stieß Luft durch die Zähne aus. „Trupp.“
Zeus antwortete sofort. „Nicht räumen.“
Mehrere Köpfe gingen zu ihm herum. Die Kyklopen hielten in ihrer Arbeit nicht inne, aber sie hörten.
„Wenn wir den Rand aufgeben“, erwiderte Zeus, „geben wir den Schacht auf. Wenn wir den Schacht aufgeben, holen sie den Verschluss zurück in den Stein. Dann war alles hier umsonst.“
„Und wenn sie uns niederdrücken, schmiedet auch niemand“, gab der Hekatoncheir zurück.
Zeus sah kurz zu den Befreiten am Rand, zu den offenen Handgelenken, zu den unsicheren Schritten auf dem freien Stein. „Dann drückt ihr sie nicht bis hierher.“
Der Hekatoncheir grinste nicht. Er nickte nur einmal und wandte sich an die anderen. Ohne weiteren Ruf setzten sie sich an den Zugang. Einige gingen breitbeinig in die schmale Annäherung, andere nahmen lose Blöcke auf, wieder andere rissen lange Eisenstangen aus dem Schutt. Sie stellten sich nicht in einer Reihe auf. Sie besetzten den Weg in die Tiefe, als Zeus zu ihnen trat.
„Haltet nur den Zugang. Nicht den ganzen Hang. Zwingt sie auf den schmalen Boden.“
„Das hätten wir auch ohne dich getan“, entgegnete einer, aber ohne Widerstand in der Stimme.
„Gut“, sagte Zeus.
Hinter ihm sprang das Feuer an.
Es fraß sich erst klein durch trockenes Holz und zerschlissene Reste, dann tiefer, als die Kyklopen ihm Luft gaben. Einer kniete dicht davor, führte Bruchstücke nach, verschob Eisen, schirmte mit einem Stein gegen den Zug vom Schacht. Ein anderer legte Erzstücke an den Rand der Hitze, noch nicht hinein, erst zum Anwärmen. Eine der Befreiten sank neben dem Feuer auf ein Knie und hielt die aufgescheuerten Hände in den Rauch, nicht um zu arbeiten, nur um das Zittern zu bändigen. Ein Hekatoncheir stellte ihr wortlos einen Stein in den Rücken, damit sie nicht nach hinten kippte.
Näher kamen die Titanen. Jetzt konnte Zeus Gesichter unterscheiden. Keiner von ihnen war Kronos. Das machte es leichter. Kronos hatte gerufen, und dies waren die, die gehorchten. Der Ruf hatte also doch Träger gefunden, nicht an der Schwelle, sondern auf dem Weg.
„Zeus.“
Gaia stand nicht bei ihm, sondern etwas seitlich, dort, wo der Blick zugleich zum Weg und zum Bruch ging.
„Er wird kommen“, meinte sie.
„Ja.“
„Wenn er versteht, was sie hier tun, kommt er nicht allein.“
Zeus blickte wieder zum Feuer. Die Kyklopen arbeiteten schnell und ohne Hast. Jeder Griff saß dort, wo er sitzen musste. Sie redeten kaum. Einer hob mit einem Keil Material aus dem gebrochenen Rand, nicht aus der Setzung. Ein anderer sortierte schwarzes Gestein von taubem Stein. Der Splitter selbst saß noch fest und musste so bleiben. Es ging nicht nur um das, was daraus wurde. Es musste in ihre Hände, bevor Kronos wieder über diesen Rand trat.
„Dann soll er es verstehen“, entgegnete Zeus.
Gaia sah ihn an. „Und du?“
Er gab keine Antwort. Er ging vor.
Der erste Zusammenstoß kam hart und kurz. Die Titanen versuchten
Die Titanen versuchten nicht, ihn zu umfassen. Sie wollten ihn brechen und durch ihn hindurch. Zeus nahm den ersten Schlag auf den Unterarm, trat in den zweiten Mann hinein und riss ihm die Schulter zurück, noch ehe der dritte ihn von der Seite fassen konnte. Stein splitterte unter Füßen, während der Rand trocken nachgab, aber hielt.
Hinter ihm arbeiteten die Kyklopen weiter, wie er an ihrem Eisen hörte. Ein Schlag, dann zwei schnelle kurze. Schaben. Wasser auf heißem Metall. Wieder ein Schlag. Darin lag kein Zögern. Den Lärm des Kampfes nahmen sie hin, ohne ihn zu beachten.
Ein Hekatoncheir stieß an ihm vorbei, tief und breit in der Bewegung, und warf zwei Titanen zugleich zurück, den einen mit der Wucht der Arme, den anderen mit dem Gewicht seines Leibes. Ein zweiter blieb an der Schwelle stehen und hielt den schmalen Zugang, wo nie viele nebeneinander durchkamen. Zeus erkannte nur Teile von ihnen: Arme, Schultern, Hände mit Stein, mit Eisen, mit nichts als Griffkraft. Dazwischen sah er aufgerissene Handgelenke, Blut in den Druckstellen, einen taumelnden Schritt, der sich erst am Fels fing. Einer der Befreiten blinzelte zum offenen Rand, als prüfe er noch immer, ob dort wirklich kein Gitter mehr stand. Ein anderer griff sofort nach einem Stein. Ein dritter blieb einen Atemzug länger an der Wand, ehe auch er sich löste. Es reichte.
Ein Titan sprang auf den Bruch zu, nicht auf ihn. Am Nacken packte Zeus ihn, drehte ihn herum und schlug ihm das Gesicht gegen den Fels, bis der Mann absackte und Zeus ihn liegen ließ.
„Nicht zum Feuer“, rief er, ohne sich umzuwenden.
Die Hekatoncheiren antworteten nicht, weil sie das nicht brauchten. Der Zugang blieb dicht.
Dann kamen mehr nach. Jetzt nicht mehr in Unordnung. Von hinten gab ihnen jemand Halt. Er merkte es an der Art, wie sie den Abstand hielten, wie zwei vorn banden und die hinteren nicht drängten, sondern warteten, bis Raum aufging. Er wich einen Schritt zurück, nur einen, damit sie vor ihm enger standen und nicht auseinanderziehen konnten.
Links von ihm ging einer der Hekatoncheiren in die Knie, weil ihm ein Stein das Bein traf. Sofort war ein anderer über ihm, nahm den nächsten Stoß auf und hielt die Reihe.
Hinter den Angreifern veränderte sich etwas.
Erst kam ein Stocken. Einige warfen den Kopf zurück, nicht aus Furcht, sondern weil sie auf Befehl warteten. Zwischen Schultern und Helmen hindurch zeigte sich eine Bewegung, die keine Eile brauchte. Der Titanenfürst kam den Weg herab, begleitet von weiteren Titanen, und blieb stehen, noch bevor er den Rand ganz erreichte.
Sein Blick ging nicht zu Zeus.
Er ging zum Feuer.
Er musterte den Ambossplatz, das angewärmte Erz, das alte Eisen, das Wassergefäß, die Werkzeuge am Boden, die Kyklopen bei der Arbeit. Der offene Schacht lag dahinter. Die gebrochene Setzung auch. Zeus sah im selben Augenblick, dass sein Vater begriff.
Kronos trat noch einen Schritt vor. Sein Gesicht blieb hart, aber die Berechnung darin lag offen. Zuerst fiel die Entscheidung.
„Auf den Rand“, befahl er. „Auf das Feuer. In den Schacht mit ihnen.“
Die Titanen setzten sich zugleich in Bewegung.
Jetzt kam der Druck von allen Seiten, die der Ort zuließ. Zwei gingen auf Zeus. Drei drängten gegen die Hekatoncheiren an der Schwelle. Andere versuchten, über den gebrochenen Rand zur Schmiede zu kommen, obwohl dort der Tritt schlecht war und der Stein unter Gewicht brach. Einer warf einen langen Hebel aus Holz auf den Ambossplatz. Ein Kyklop trat ihn beiseite, ohne aufzusehen.
Zeus fing den ersten Mann hoch an der Brust, rammte ihn gegen den zweiten und stieß beide zurück. Ein dritter kam tief und schnell. Zeus traf ihn am Kiefer. Der Schlag warf den Kopf herum, aber nicht den Körper. Der Titan hing an ihm. Zeus riss ihn zu Boden und trat über ihn hinweg, weil hinter ihm schon einer an den Feuerkreis wollte.
Der Kyklop am Feuer sagte nur ein Wort. „Jetzt.“
Ein anderer hatte den schwarzen Splitter aus der gebrochenen Setzung gelöst. Noch nicht ganz frei, nur so weit, dass zwei Zangen ihn fassen konnten. Das Stück war dunkel und unruhig im Schein des Feuers. Erz lag bereits offen daneben. Einer der Kyklopen hielt die Zange fest, der andere führte das Metall in die Hitze. Der dritte stand am Amboss und wartete.
Ein Titan sprang über eine lose Kante und kam durch.
Zeus erreichte ihn zu spät, um den Sprung zu verhindern, aber früh genug, um ihn vor dem Amboss zu treffen. Beide prallten ineinander. Der Titan griff nach Zeus’ Hals. Zeus schlug ihm den Ellbogen in die Rippen, einmal, zweimal, und spürte den Griff nachlassen. Dann packte er ihn an der Hüfte und warf ihn seitwärts in das Wassergefäß. Es kippte um, Wasser schoss über Stein und Füße. Der Kyklop fluchte knapp, packte das Gefäß wieder hoch und riss es näher ans Feuer, als wäre nichts geschehen.
Kronos stand noch immer außerhalb der ersten Reihe. Er führte jetzt, statt zu kämpfen, und das war schlimmer.
„Reißt ihnen den Platz auf“, rief er. „Stein unter den Füßen weg. Nicht stehen bleiben.“
Sie gehorchten. Nun zielten sie nicht mehr nur auf Leiber. Sie arbeiteten gegen den Ort, indem sie Hebelstangen in Risse trieben. Fäuste und Fersen traten auf lock...
…ere Kanten, bis Splitter und Staub in den Schacht gingen. Der Rand antwortete sofort. Unter dem Ambossplatz lief ein Knacken durch den Stein.
Im selben Atemzug fiel die Entscheidung.
„Vom Feuer weg“, rief Zeus den Hekatoncheiren in den Lärm hinein. „Den Zugang halten. Den Rand nicht räumen.“
Briareos wandte nur einen seiner Köpfe zu ihm. Das genügte. Seine Arme arbeiteten weiter gegen die Titanen an der Schwelle, drückten, rissen, schlugen, hielten den schmalen Weg zu. Neben ihm stemmten die Brüder die brechende Kante mit Schultern und Händen, ohne die Linie aufzugeben.
Zum Feuer kehrte Zeus zurück.
Im Vorbeigehen sah er am Boden die Befreiten, die sich an den geborstenen Stein duckten, rußig, blutverschmiert, mit aufgerissenen Augen. Eine Frau zog ein Kind hinter den Amboss, ein alter Mann presste beide Hände auf den Kopf, als könnte er so den Lärm abhalten. Zeus hob nur den Arm und stellte sich zwischen sie und den Zugang.
Hera sah ihn kommen, sah auch, was das hieß. Ohne aus dem Weg zu treten, trat sie an seine Seite. Ein Titan kam über den geborstenen Stein, halb laufend, halb rutschend. Hera fing ihn mit beiden Händen am Arm, riss ihn aus dem Tritt und stieß ihn gegen die Kante des Ambosses. Der Schlag nahm ihm den Stand. Zeus packte ihn am Nacken und warf ihn zurück auf die anderen.
Weiter arbeiteten die Kyklopen.
Einer hielt den schwarzen Splitter mit beiden Zangen fest. Ein zweiter drückte glühendes Erz dagegen. Ein dritter hob den Hammer und ließ ihn fallen, und der Schlag fuhr wieder durch den Platz. Das Stück im Griff veränderte sich unter den Schlägen. Während es weder groß noch langsam wirkte, nahm es Form an.
Erkannt wurde es von Kronos.
Zum ersten Mal seit seinem Ruf auf den Othrys stand er nicht mehr nur ordnend hinter den Seinen. Er selbst kam.
Einen Titanen stieß er zur Seite, trat über einen aufgerissenen Spalt und lief direkt auf den Feuerkreis zu. Ohne Zögern, ohne Befehl nahm er nur den Weg.
„Zurück“, warnte Hera.
Auf sie hörte Kronos nicht. Sein Blick lag nicht auf ihr. Er lag auf dem dunklen Stück im Zangengriff.
Zeus ging ihm entgegen.
Sie trafen sich zwischen Amboss und Rand. Kronos schlug sofort, hart und gerade, nicht prüfend. Zeus nahm den Schlag auf den Unterarm, trat nach innen und stieß gegen Brust und Schulter. Kronos wich einen halben Schritt, stand wieder fest und fuhr mit dem Ellenbogen nach Zeuss Schläfe. Der Göttervater duckte sich darunter weg und rammte ihm die Stirn gegen das Gesicht. Der Titan taumelte nicht. Er griff mit beiden Händen und bekam Zeus am Oberarm zu fassen.
Weiter dröhnte hinter ihnen der Hammer.
Jeder Schlag lag Zeus in den Ohren. Er ließ Kronos’ Griff nicht los, drehte sich in ihn hinein, zog ihn mit und riss ihn aus der Linie zum Feuer. Während Kronos sich dagegen stemmte, scharrten seine Füße über nassen Stein. Wasser und Staub machten den Tritt unsicher. Zeus nutzte es, trat ihm den Stand unter dem vorderen Bein weg und warf sein Gewicht nach. Beide stießen gegen den Rand des Ambossplatzes. Stein brach unter Kronos’ Ferse aus und fiel in die Tiefe.
Rechts an Hera vorbei kam ein Titan. Sie fing ihn nicht mit Worten. Sie nahm einen der liegenden Hebel vom Boden und schlug ihm das Holz quer gegen Knie und Hüfte. Er kippte in den nächsten Mann. Beide gingen zu Boden. Wieder stand sie zum Feuer hin, den Hebel in beiden Händen.
„Weiter“, trieb sie die Kyklopen an.
Ohne zu antworten, arbeiteten die Kyklopen weiter, während der Hammer sich hob. Fiel. Hob sich. Fiel.
Kronos riss sich aus Zeuss Griff frei und schlug mit der Handkante nach seinem Hals. Zeus fing den Arm, drehte ihn nach außen und trieb die Schulter hoch. Kronos knurrte, trat Zeuss Knie an, einmal, hart. Zeus verlor kurz den festen Stand. Das reichte. Kronos stieß ihn von sich und brach an ihm vorbei, direkt zur Zange.
Als der Schmied am Amboss ihn kommen sah, ließ er den Hammer nicht fallen. Er schlug.
Kronos’ Hand war schon ausgestreckt, da traf ihn Zeus von der Seite in den Leib. Beide fuhren in den Feuerkreis, rissen Funken hoch, stießen gegen den Kyklopen am Erz. Der wich einen halben Schritt aus, nur so viel wie nötig, und hielt das Werkstück in der Hitze.
„Halt ihn“, schrie der Schmied am Amboss.
Das tat Zeus.
Diesmal bekam er Kronos tief um die Mitte zu fassen, hob ihn aus den Füßen und trug ihn drei Schritte vom Feuer weg, bis der Rand unter ihnen wieder arbeitete. Kronos schlug ihm mit den Fäusten gegen den Rücken. Zeus ließ nicht los, setzte ihn nicht ab und warf ihn gegen einen vorspringenden Bruch im Stein. Kronos prallte auf, fing sich mit der Hand, drehte sich sofort wieder herum.
Da rief der Schmied am Amboss: „Jetzt.“
Der Hammer kam ein letztes Mal herunter. Das Stück löste sich aus Erz und Zange mit einem kurzen, harten Laut. Es war nicht groß. Es war scharf gesetzt, dunkel im Kern und hell an den Kanten, wo die Glut noch saß.
Der Schmied nahm es nicht an sich, sondern hielt es Zeus hin.
„Nur aus meiner Hand“, sagte er. „Jetzt. Sonst bleibt es tot.“
Er hörte den Satz zu Ende, noch ehe Kronos wieder bei ihm war.
„… in deiner.“
Ohne nachzudenken griff er.
Das Stück lag einen Schlag lang offen zwischen der schwarzen Hand des Schmieds und seiner eigenen. Dann schloss Zeus die Finger darum.
Hart und fordernd fuhr Hitze ihm in die Hand und den Arm hinauf. Das Stück saß sofort schwer in seinem Griff, gewichtiger, als seine Größe versprach. Mehr als Werkzeug und Erz war es nicht; sobald er es gefasst hatte, lag es richtig. Mit dem Gewicht kam kein Triumph. Er sah Hera vor Kronos stehen, die Kyklopen am Feuer, die Hekatoncheiren am Zugang, und begriff, wem dieses Stück von nun an galt.
Kaum hatte Kronos es gesehen, stand für einen Augenblick Gewissheit statt Zorn in seinem Gesicht. Er riss sich vom Bruch ab und kam sofort wieder vor, auf Zeus’ Hand zu. Den Schmied und Hera ließ er unbeachtet.
„Nein“, sagte Kronos.
Nicht laut kam es ihm über die Lippen, sondern mit dem ganzen Leib, im Stoß.
Bevor Zeus den Fuß neu setzen musste, trat Hera dazwischen. Der Hebel in ihren Händen fuhr quer vor Kronos’ Brust. Er fing das Holz mit dem Unterarm ab und schlug es ihr fast aus den Händen. Sie gab nicht nach. Sie drehte das Ende hoch, drückte ihm das harte Holz unter Kinn und Schulter und schob ihn eine halbe Schrittbreite aus der Linie.
„Raum“, rief sie.
Den Ruf brauchten die Hekatoncheiren nicht, aber sie hörten ihn. Am schmalen Zugang ließen sie keinen Mann durch. Einer packte einen Titanen am Gürtel und warf ihn gegen den Rand. Ein anderer trat über einen Gestürzten hinweg und stellte sich breit zwischen Feuerkreis und Schacht. Ihre vielen Arme arbeiteten ohne Hast und ohne Lücke. Den Rand räumten sie nicht; sie hielten ihn.
Zeus wich nicht zurück. Er riss die Waffe an die Brust, drehte die Schulter vor dem nächsten Zugriff und schlug Kronos mit dem Ellenbogen gegen Mund und Wange. Kronos nahm den Treffer, griff tiefer, bekam Zeus’ Unterarm zu fassen und drückte ihn nach unten.
Sofort war Zeus klar, was der Vater wollte: den Wurf brechen, ehe er begann, nicht ihn niederbringen.
Mit einem trockenen Riss gab der Boden unter ihnen nach. Stein sprang an der Kante auf. Der Amboss stand fest, aber der Platz davor arbeitete unter jedem Schritt. Zeus setzte den hinteren Fuß anders, zog die Hand mit dem Stück frei und stieß Kronos mit der linken Hand hart an Hals und Schlüsselbein. Kronos wich nicht, sondern kam noch einmal.
„Zeus!“, rief der Schmied, und es war ein Befehl.
Zum Feuerkreis drehte er sich zurück. Für einen Schlag lag alles offen vor ihm: der Amboss, die Glut, die Kyklopen mit schwarzen Armen und hellen Augen, Hera an Kronos gebunden, die Hekatoncheiren am Zugang, Titanen dahinter, die nicht durchkamen. Viel Raum war es nicht, doch er reichte. Keiner dort kämpfte noch für sich allein. Was in seiner Hand lag, sollte ihnen den Weg freihalten, oder sie alle wieder unter Kronos stoßen.
Kronos sprang ihn von hinten an, diesmal traf Hera ihn tiefer. Der Hebel fuhr ihm in die Kniekehle. Sein Schritt brach. Ein Hekatoncheir, der den Rand gehalten hatte, ließ den Mann vor sich fallen, packte Kronos an Schulter und Hüfte und riss ihn einen Schritt aus Zeus’ Rücken weg, gerade weit genug.
„Wir halten“, sagte Hera.
Das allein erreichte Zeus, als er langsam den Arm hob.
Im selben Moment hob der Himmel an.
Noch war nichts darin. Weder Schlag noch Feuer noch Ton. Aber über dem offenen Bruch zog sich die Luft zusammen. Die Haare an Zeus’ Nacken standen. Die Glut im Feuerkreis fiel in sich und sprang dann hoch. Die Kyklopen wichen nicht zurück. Der Schmied am Amboss starrte nur auf Zeus’ Hand.
Jetzt blickte auch sein Vater nach oben, und zum ersten Mal lockerte sich sein Zugriff. Aus Erkennen.
„Du wirfst gegen den Himmel“, sagte er.
Zeus antwortete nicht.
Nur eines stand fest: Es musste jetzt geschehen. Sofort, vor einem weiteren Stoß, vor einem weiteren Schritt. Jetzt, solange das Stück noch in seiner Hand lebte und der Raum vor ihm offen blieb. Nicht für den Schlag allein hob er den Arm. Er hob ihn für die, die hinter ihm standen und nicht noch einmal in Finsternis und Ketten zurücksollten.
Ausholend spannte er sich.
Der Titanenschmied schrie etwas, das im Lärm des Platzes unterging, und warf sich noch einmal vor. Hera fing ihn an der Seite. Der Hekatoncheir stieß nach. Zwei Titanen drängten hinterher und blieben an den vielen Armen hängen. Einer der Kyklopen trat gegen ein rollendes Werkzeug, sodass es aus Zeus’ Standbahn fortsprang. Niemand sprach mehr. Alles arbeitete auf diesen einen Atem hin.
Den linken Fuß setzte Zeus an den festen Teil des Steins, nahm den Leib nach hinten und schleuderte.
Nicht auf Kronos, nicht auf die Titanen, nicht in den Schacht warf er.
Er warf in den Himmel.
Mit einem kurzen, harten Ruck verließ das Stück seine Hand. Einen Herzschlag lang war es nur ein dunkler Zug über dem Feuerkreis. Dann riss es Licht an sich, nicht aus dem Feuer.
Von oben.
Der Himmel antwortete sofort.
Ein Schlag fuhr herab, direkt auf die Bahn des geworfenen Stücks. Kein Zögern lag darin, kein Suchen. Licht stand über dem gebrochenen Rand, so hell, dass jeder Kopf sich hob, auch die der Kämpfenden, auch die der Gefallenen. Der Laut kam